"Tropic Thunder"
Ben Stiller (2008)
Bevor ich anschließend den Wikipedia-Artikel las, fand ich Ben Stillers Hollywoodsatire witziger. Warum zum Geier hat sich Stiller aber auch dazu entschlossen, vor dem offiziellen Kinostart seiner Abrechnung mit den Auswüchsen der US-Popkultur erst einmal bei den Dachorganisationen einiger potentiell be- getroffener Gruppen mit Testvorführungen hausieren zu gehen?
(Als ob es jemals gelingen würde, es Menschen Recht zu machen, die sich aufgrund einer Hautfarbe oder ‘Behinderung’ Vereine gegründet haben; die also einige ihrer Merkmale ernster nehmen, als sie tatsächlich sind.)
Jedenfalls frage ich mich jetzt, welche Gags wohl der Vorzensur zum Opfer gefallen sind, und bin verwundert, dass "Tropic Thunder" überhaupt zustande kam.
Haben sich Stiller und Co. auch wirklich von jedem Vietnamveteranen-Verein (egal, ob G.I. oder Viet Cong), allen Dschungel-Drogenzaren und Terence-Hill-Lookalikes, sowie jeder Umweltschutztruppe ihr Okay geholt?
Wenn nicht, woher nehmen sie sich dann das Recht raus, solch einen Film auf unbedarftes Publikum loszulassen? Hat denn niemand an die Gefühle der Ungefragten gedacht?
Jordan, Michael (2009)
"Vom Alltäglichen zum Besonderen. Bilder auf den Punkt gebracht"
Michael Jordan hat es geschafft, ein Sachbuch über Digitalfoto-Nachbearbeitung zu schreiben, dessen Tipps zwar immer wieder Kombinationen aus Umwandlung von Farbe zu Schwarzweiß, Beschneiden, Wegstempeln von Sensordreck und partiellem Nachschärfen sind, das sich aber dank der die Fotos ergänzenden Anekdoten wegen dennoch nicht als Fehlgriff erwiesen hat. Zumindest nicht, weil mein Griff ins Regal einer gut sortierten Stadtbibliothek geschah.
PS: Ich empfehle sowieso, das Geld nicht für Fotohandbücher, sondern für das aktuelle Monochrom.at-Jahrbuch oder die Neuerscheinungen obskurer Übersee-Kleinstverlage auszugeben.
Staeck, Klaus (2004)
"Frohe Zukunft"
Am Ende dieses Bildbandes, erwähnt Staeck:
»Gelegentlich kam es vor, dass besonders gravierende Misstände [im Bitterfeld der Vorwendezeit] von einem Jahr auf das andere verschwunden waren, nachdem ich sie fotografiert hatte. Die allgegenwärtigen Sicherheitsorgane wollten möglicherweise den westlichen Beobachter auf diese Weise Lügen strafen.«
Und das, obwohl Staeck erstens bloß hässliche Architekturdetails schnappgeschossen, und zweitens auch in westdeutschen Städten wie Darmstadt oder Köln ähnliche Anblicke aufgezeichnet hat.
Nun ja, jedenfalls sind Staeck und andere Schmutzfotografen aus diesem Grund auch heutzutage noch ein klein wenig an den steigenden Mietpreisen vormals heruntergekommener Gegenden verantwortlich: Sie fotografieren Schandflecken, nach Veröffentlichung der Aufnahmen erklingt das Gebell getroffener Hunde, und die Flecken werden weggeputzt, was wiederum die Gegend aufwertet und so weiter. Möchtest du mehr wissen?
Rudolf, Ake (2008)
"Urban Guerrilla Protest"
Zwar schrieb ich letztens, dass mich buchgewordene Weblogs – bzw. Sachbücher, deren Inhalt diesen Eindruck macht – eher verwundern und nicht zum Kauf reizen, so muss ich durchaus ergänzen, dass die ‘Ver-Buchung’ einiger zeitgenössischer Themen dringend notwendig ist.
Graffiti, Street-Art und ähnliche Guerrilla-Taktiken etwa sind würdige Themen. Und das nicht allein, weil die in Sammelbänden wie Ake Rudolfs "UGP" erläuterten Aktionen inspirierend sind, sondern bereits deshalb, weil gesprühte und geklebte Gesellschaftskritik oft illegal ist, und dementsprechend schnell überpinselt, abgerissen und entsorgt wird.
Eine Offline-Dokumentation solcher Aktionen tut also not, »damit die Nachwelt sieht, daß nicht alle so waren.«
"Crow, The"
Alex Proyas (1994)
Bilder, Setdesign und erst recht die Besetzung geben dieser verregneten Wiedergänger-Gewaltorgie ausreichend Stil, und deshalb wirkt "The Crow" trotz unplausibler Grundidee und voraussehbarer Erzählstruktur dennoch wie ein Meisterwerk.
"Hard Candy"
David Slade (2006)
Witzig, dass ein Film auch dann eine FSK18-Freigabe verpasst bekommt, wenn die Blut- und Gewalttaten größtenteils auf der Tonspur stattfinden. Es könnte natürlich auch sein, dass die Prüfkommission befürchtet hat, hierzulande würden minderjährige Menschen ‘Hayley’ nacheifern und dadurch für Personalprobleme in katholischen Einrichtungen sorgen.
Aber Spaß beiseite: "Hard Candy" ist ein Selbstjustiz-Thriller mit brillianter Optik, dessen Handlungsverlauf und Schlusspointe aber einigermaßen vorhersehbar sind. Der Film kommt mit einer Handvoll Charaktere aus, und ist dermaßen textlastig und ortsgebunden, dass er auch prima als Theaterstück aufgeführt werden könnte.