29 Mai 2007, 6:13pm
Buch
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Brian Keene zerstört die USA zwei Mal, doch J. G. Ballard gönnt dem nordamerikanischen Kontinent eine Zukunft

Brian Keene schreibt packende Geschichten über das Ende der menschlichen Zivilisation, soviel ist mir jetzt klar. Klar ist mir auch, dass ich von ihm wohl mehr als nur "The Conqueror Worms" (2006) – quasi ein goriges Upgrade zu John Wyndhams "The Kraken Wakes" (1953) – und den von einer Zombie-Apokalypse berichtenden Roman "The Rising" (2003) lesen werde.

Von James Graham Ballard hingegen kenne ich bereits mehr als zwei Werke und die einzige negative Überraschung war sein Roman "Crash", welchen ich einmal angefangen und ganz schnell wieder weggelegt habe. "Hello America" (1981) gefällt mir wesentlich besser als das eben erwähnte Wrack. Ballard schildert in diesem Roman die Neubesiedlung Nordamerikas hundert Jahre nachdem die USA durch Rohstoffknappheit und Klimawandel für die ‘alte Welt’ uninteressant geworden sind.

"Hello America" weist ebenfalls eine hohe Dichte an Verweisen auf Politik und Unterhaltung auf. Doch Ballards Roman ist längst nicht so negativ wie die oben genannten Werke seines Schriftstellerkollegen Keene. Empfehlen kann ich euch alle drei, doch Ballards Vision tut gut als Aufmunterung für zwischendurch.

Ach ja: Ballard gibt jedem dieser Popkulturschnipsel soviel Gewicht, dass sie zum Symbol für den oft beschworenen american way of life werden. Eine Technik, die in deutschen Romanen wohl niemals in gleichem Maße funktionieren würde. Höchstens, wenn auf die Zeit des Nationalsozialismus und/oder deutsche Untugenden angespielt wird.* Deutsche Filmstars als gottgleiche Fata Morganen, die durch die Wüste wandern? Unvorstellbar. Bei Gary Cooper hingegen und Henry Fonda wirkt das plötzlich nicht mehr so lächerlich.

*Vgl. hierzu Cus Hallows Roman "Tjack" (1987), der in München spielt und sich trotz guter Story und interessanter Charaktere teilweise aufdringlich amerikanisch gibt, um bedeutungsvoller zu erscheinen.