15 Dez 2006, 2:16pm
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"Die Ewoks. Im Banne des ewigen Lachens" vs. "Blauschlümpfe und Schwarzschlümpfe"

Ewoks Nr. 3: Cover Die Schlümpfe Nr. 1 (Cover)

Die Ewoks, Heft 3 – "Im Banne des ewigen Lachens"

Es war unvermeidlich, dass auch das "Star Wars"-Volk der Ewoks eigene Abenteuer in Film-, Zeichentrick- und Comicform erleben durfte. Schließlich sind sie tappsig, kleinwüchsig und trotzdem eine ernstzunehmende Bedrohung. Kinder können sich mit ihnen identifizieren, weil sie selbst ebenfalls mehr drauf haben, als die Erwachsenen – bzw. Großen – ihnen zutrauen. Genauso unvermeidlich war es also auch, dass die Ewok-Comics auch in Deutschland auf den Markt kamen.

Das Comic basiert direkt auf der Zeichentrickserie Star Wars: Ewoks. Keine Ahnung, ob die zweimonatlich erscheinende Heftreihe viele Abnehmer fand. Ich glaub’s ja, nicht. Zumindest, wenn alle Geschichten so weichgespült waren wie die im dritten Heft erzählte. Die Trickfilmserie jedenfalls lief in den USA für zwei Staffeln und insgesamt 35 Episoden.

[Bei den nachfolgenden Zitaten habe ich die für dieses Comic typische GROSS- und Fettschreibung einiger, wohl zu betonender, Wörter übernommen.]

"Im Banne des ewigen Lachens" heißt die Geschichte, die Dave Maniak getextet und Warren Kremer gezeichnet hat. (»Deutsche Bearbeitung: Harald Seemann & Wolfgang M. Biehler«) Sie ist mehr Märchen als alles andere; jedenfalls von der ungeschlachten Erzählstruktur her. Bereits der Einstieg in die Geschichte ist märchenhaft:

»Drei junge EWOKS hatten im Wald Honigmelonen geerntet. Ihre Körbe waren bis zum Rand gefüllt, und sie befanden sich bereits wieder auf dem Heimweg, als etwas sie ablenkte: die aussicht auf ein herrlich erfrischendes Bad. Da war es schwer, zu widerstehen! Denn es war ein heißer Tag gewesen, und bei der Arbeit hatten sie viel geschwitzt. Daher also…«

… springen zwei Drittel von ihnen ins Wasser. Nur TEEBO bleibt zurück. Er will die Zeit besser nutzen. Und zwar, indem er ein Gedicht beendet. Während Teebo an seinen Reimen feilt, ertönt Gelächter aus dem Wald. Er denkt natürlich, da lacht jemand über seine Lyrik und geht der Sache verärgert auf den Grund. Mit dem Ergebnis, dass er die Feder eines irre lachenden Vogels erbeutet, der Teebos Zugriff gerade noch entkommt. Lachend. Teebo steckt sich die Feder an seinen Hut. Und seine Gehirnstruktur verändert sich. (Jedenfalls merkt der Leser, dass in Teebos Kopf eine Veränderung vor sich geht.)

Währenddessen haben seine Artgenossen – KNEESA und WICKET – fertig, sind aus dem Wasser gestiegen und wollen zurück ins Dorf. Da nun aber der Dritte im Bunde fehlt, nehmen sie nach kurzer Suche auch Teebos Melonenkorb mit. Teebo ist außer Rand und Band, er lacht inzwischen genauso irre wie der Vogel. Er beobachtet seine Freunde und denkt laut und lacht und lacht und lacht und schmeisst den beiden die Honigmelonen durcheinander.

[Ja, schon klar, sorry. Ab jetzt also in Kurzform.]

Die drei kommen im Dorf an, Teebo natürlich vor ihnen. Lachend. Er stiftet Unruhe, zerstört fremdes Eigentum und benimmt sich auch sonst daneben. Der Dorfälteste – LOGRAI – bändigt seinen Tatendrang letzten Endes, indem er Teebo die Feder mit einem Zaubertrick abnimmt. Und gleichzeitig spricht:

»Der Fall ist klar: Teebo hat einen SPASSVOGEL berührt! […] Es bedeutet, dass er unter dem Fluch des unkontrollierten LACHENS steht! Er und ALLE, die sich ihm nähern…! Und auch, wenn ich ihn von der Feder BEFREIEN kann, ohne sie selbst zu berühren, fürchte ich doch, dass der Fluch auf ihm bleibt, FÜR IMMER! […] Ich kenne KEINE MEDIZIN dagegen! Aber die Legende erzählt von einem WESEN, das hoch oben auf dem BERG DER SORGEN lebt und dessen TRÄNEN [rhabarber-rhabarber]«

Also machen sich Kneesa und Wicket mit dem an die Leine gelegten Teebo auf zum Berg der Sorgen. Ein Berg, der verdammt hoch ist und dessen Gipfel spricht, ein Gesicht hat, und weinen kann. Vor seinen Augen spielt sich nun ein Drama von billigtrickfilmischen Außmaßen ab: Teebo bringt seine Freunde durch Albernheit in Gefahr, rettet sie vorm Zorn des Berges und will sie dann verlassen:

»Ich verbringe lieber den Rest meines Lebens LACHEND, als das Risiko einzugehen, euch wieder zu VERLIEREN!«

Dieser Entschluss rührt den Gipfel zu Tränen, die Tränen entseuchen Teebos Geist, alles ist wieder gut, das Abenteuer endet mit Schlusszenen-Gelächter.

Die Moral von der Geschicht’? Freundschaft, Freundschaft über alles. Und natürlich: Reiss keinem SPASSVOGEL die Schwanzfedern aus!

Alles in allem ein nettes Geschichtchen, voller netter Figuren und kleinwüchsiger Gefahren. Noch dazu eins, dass mir die ganze Zeit wie die Warmduscher-Variante des im Carlsen-Verlag erschienenen

"Blauschlümpfe und Schwarzschlümpfe" (Heft 1)
("Le Schtroumpfs Noirs", ©1963)

vorkam. Also habe ich auch dieses Heft mal ausgegraben.

In Peyos Schlümpfe-Geschichte wird ein Bewohner des Pilzdorfs von der »Mücke Bss« gestochen, wird zum beißwütigen Schwarzschlumpf, dessen Biss das Virus(?) überträgt. Schon bald liefern sich die letzten noch verbliebenen Blauen einen fast aussichtlosen Kampf mit einer Schwarzschlumpf-Übermacht.

Fazit hier: Blauschlümpfe und Schwarzschlümpfe ist die (vermeintlich) kindgerechte Fassung von "28 Days Later". Zwar wird am Schluss ebenfalls alles wieder gut, aber das happy end ist mehr dem Zufall zu verdanken als dem Moralfinger. Protagonisten und Leser wissen gleichermaßen: Die Schlumpfheit ist gerade noch einmal vor der Auslöschung bewahrt worden; einem neuen Angriff würde das Dorf nicht standhalten können.

— —

Gegenüberstellung: Das Schlumpf-Comic reisst sein Publikum mit und das Ewok-Heft nicht. Es mag unfair sein, den Grund dafür darin zu suchen, dass ein Heft "Star Wars"-Merchandise ist, das andere hingegen ein Original. Doch zumindest scheint dieser Grund plausibel. Die Original-Ewoks und die Comic-Blaumännchen stehen sich nämlich in punkto Vielschichtigkeit in nichts nach; sind eben nicht nur niedlich, sondern auch schlagkräftig. Und auch die Zeichentrickfassungen beider Völker könnten gute Freunde sein in ihrer Formelhaftigkeit.

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