13 Jun 2008, 9:34am
Buch
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Dieser Beitrag ist Widmungen gewidmet

In der Deutschen Demokratischen Republik (a.k.a. DDR) war es nicht ungewöhnlich, dass die staatlich gelenkte Unternehmensleitung zu besonderen Anlässen Buchgeschenke verteilte. Diese Tatsache war mir bis vor kurzem entgangen. Hauptsächlich, weil die so unters Volk gebrachten Bücher nicht meinen Genrevorlieben entsprechen. Darum sind die drei hier aufgeführten Beispiele auch meine einzigen Belege für diese Tatsache.

1. – Zettel, eingeklebt in eine Ausgabe von "Das verborgene Licht" (Willi Meinck, 1961) und mit unleserlichen Unterschriften versehen:

Mit Ihrem Verbesserungsvorschlag haben Sie mitgeholfen, unseren Betrieb und damit unsere volkseigene Wirtschaft zu festigen.

Wir danken für Ihre erfolgreiche Mitarbeit und bitten Sie, sich weiterhin für die Ziele unseres gemeinsamen Kampfes einzusetzen.

TuR – VEB Transformatoren- und Röntgenwerk Dresden

??? / ???
BGL / Werkdirektor

2. – Buchstaben aus schwarzer Tinte bilden einen einfachen Widmungssatz in einer Ausgabe von Hans Marchwitzkas Roman "Meine Jugend" (1959 – Aufbau-Verlag, Berlin), der durch den fabrikeigenen Stempel und hingekritzelte Unterschriften offiziell gemacht wurde:

Zur Erinnerung an die 50. Wiederkehr des Internationalen Frauentages

VEB (K)
Dresdner Sportgeräte
Örtliche Industrie der Stadt Dresden

BPO / Werkltg / BGL
??? / ??? / ???

Dresden, 8. März 1960

3. – Füllfederhalter-Inschrift in einer Ausgabe von Halldór Laxness’ Roman "Weltlicht" (1956 – Aufbau-Verlag, Berlin). Die Unterschriften der Widmenden fehlen:

Unserem Jugendfreund Roland H–– zur Verabschiedung zum Ehrendienst in unsere Nationalen Streitkräfte gewidmet von der Belegschaft der Kraftwerke Dresden

BL / BGL / BPD

Kraftwerk Dresd. d. 25.2.57

Ach ja: Die Romane habe ich nicht gelesen, sondern sie einzig der Widmungen halber nach Hause getragen. Und nun werde ich sie wohl so bald wie möglich wieder auswildern. Ihr natürlicher Lebensraum sind nämlich die Umsonstläden und Sozialkaufhäuser unserer schönen Stadt.

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