Echte Leserpost ist so selten, dass ich sie veröffentliche und kommentiere

Manche Zuschriften korrigiere ich sogar, weil mir der Inhalt den Absender sympathisch macht und ich ihn nicht bloßstellen will. Zum Beispiel diese:

»Hallo

Bin grad über den "Spuk von draussen"-Link zu dieser Seite gelangt. Kennst du den Gerd Prokop? Seine beiden Bücher "Wer stiehlt schon Unterschenkel" & "Der Samenbankraub" sind sehr spezielle seltene Beispiele für phantastische Literatur in der ehemal. DDR, hab es in der Bücherauflistung nicht gefunden.

Gruß, Henri.«

Das mag daran liegen, dass ich Prokops Bücher bisher nur dem Namen nach kenne. Das werde ich wohl ändern müssen. Und zwar per Gehirnwäsche! Bestellung über den Internet-Gebrauchtbuchhandel oder mit einer Schatzjagd durch heimatliche Antiquariate. Wenn sich jemand die Mühe macht, mich explizit auf diese Werke hinzuweisen, müssen sie wohl gut sein.

Ich freue mich auf jede Zuschrift, die mehr als Spam ist. Sogar über solche Totalverrisse meiner Privatkritiken wie die folgende von Jemandem namens gehtdichnixan:

»Also viel Lob kann man nicht für deine Internetseite aufbringen. Ich habe mir 4 Filmbeurteilungen und eine Bücherrezession durchgelesen. Nur Kritik und gemaule von dir. Nur negativ und nur schlechtes. Dreh selbst nen Film oder schreib nen Buch du Großmaul. Spuk von draussen ist ne Kinderserie und du kritisierst als Erwachsener. Bourne, 300, Limit – überall nur Klugscheissergerede…«

Immer wieder gerne. Um es mit den Worten einer Internetbekanntschaft zu sagen, der ich diese Meinungsäußerung vorlegte: »Da hat er Recht. An Kinderserien darf man natürlich keinerlei Ansprüche stellen.«

Aus diesem Grund habe ich auch darauf verzichtet, den nordamerikanischen TV-Weihnachtsklassiker "Santa Claus is Coming to Town" (1970) zu rezensieren. Diese Rezi hätte nämlich hauptsächlich aus einem Vergleich der santastischen Filmwelt mit den zeitgenössischen Stasi-2.0-Bestrebungen diverser Politiker bestanden.

Denn hier wie dort finden es die Bürger selbst dann noch toll, dass der Weihnachtsmann nachts in ihre Wohnungen steigt und dort Zeug deponiert, als der Bösewicht schon längst tot ist, dessen Schreckensherrschaft zu dieser Guerillataktik untergraben wurde.

(Ganz abgesehen vom tanzenden Fred-Astaire-Postboten, der das Postgeheimnis verletzt, um dem Publikum Kinderwünsche vorzulesen und den ich mit mir vergleichen könnte, weil ich ungefragt Leserwünsche öffentlich mache.)

Hier wie dort findet niemand etwas dabei. Denn in beiden Fällen sind die Täter ja die Guten und würden ihre Macht niemals ausnutzen. Und wer das Gegenteil behauptet, leidet unter Verfolgungswahn.

Aber vielleicht lese ich da auch nur zuviel hinein in einen puren Kinderfilm, der lange vor 9/11 und der dazugehörigen Überwachungs-Hysterie entstanden ist. Nämlich in den späten Sechzigern.

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