Ein Stapel (Sach-)Bücher: Gesellschaft und Gesellschaftskritik
Zusammenfassung:
Die AutorInnen beschäftigen sich zwar mit diversen Aspekten des menschlichen Zusammenlebens, beweisen jedoch allesamt, dass sich die social skills der Menschheit (bzw. der Deutschen) nicht so schnell verbessern, wie das nötig wäre.
— –
Bürgerforum Paulskirche [Hrsg.] (1993)
"Anleitung zum politischen Ungehorsam"
Dieser Sammelband kurzer Reden und Beiträge zu ‘typisch deutschen’ Problemen wie Rechtsextremismus und Sicherheitswahn erschien wenige Jahre nach der Wiedervereinigung, liest sich jedoch größtenteils wie ein erst kürzlich erschienenes Werk.
Hättich, Manfred (1984)
"Zornige Bürger. Vom Sinn und Unsinn des Demonstrierens"
Ein wichtiger Überblick über das leidige Thema. Besonders interessant ist meines Erachtens nach Hättichs Vergleich zwischen Demonstrationen und Reklame sowie die Forderung nach dem Recht auf ein unpolitisiertes Leben. (Anders gesagt: Hättich ist dagegen, dass ständig jeder Bürger mit Protest-Infotainment zugebombt wird.)
Hicks, Bill (2005)
"Love All the People. Letters, Lyrics, Routines"
Da Hicks’ Routines zwar bemerkenswert, aber nicht sehr abwechslungsreich waren, habe ich circa ein Drittel dieser Sammlung quergelesen. Ich wage die Behauptung, dass ich wenig verpasst hätte, wenn ich nur die auf Youtube abrufbaren Auftritts-Schnippsel gesehen/-hört und das Buch unbestellt gelassen hätte.
Langer, Hermann (1985)
""Wollt ihr den totalen Tanz?" Streiflichter zur imperialistischen Manipulierung der Jugend"
Es ist spannend, BRD-Medien-kritische DDR-Sachbücher (Bindestriche!) zu lesen. Man weiß, dass und wie der ostdeutsche Nachwuchs von den Medien mit Propaganda gefüttert wurde. Deshalb schwebt über den Texten stets das vorwurfsvolle »Aber selbst!«, gefolgt vom selbstkritischen »Was ist jetzt eigentlich anders?«
Özdemir, Cem (1999)
"Currywurst und Döner. Integration in Deutschland"
Dies ist (k)ein Buch für die politisch unkorrekten Heimattreuen der deutschen Blogosphäre.
Rötzer, Florian (2006)
"Vom Wildwerden der Städte"
Nach diesem Blick in die urbane Zukunft und auf die Bedrohung des menschlichen Zusammenlebens durch (Öko-)Terroristen und den gutmeinenden Staat ist jeder dystopische Science-Fiction-Roman eine befreiende Lockerungsübung für den Verstand.
Rosenlöcher, Thomas (1990)
"Die verkauften Pflastersteine. Dresdener Tagebuch"
So war das also zur Wendezeit im Elbtal. Ich bin ja zu jung, um mich an mehr zu erinnern als an die später ausgestrahlten Grenzöffnungs-Zusammenschnitte, in denen etliche Trabant 601 bejubelt wurden.
Weber-Kellermann, Ingeborg (1974)
"Die deutsche Familie. Versuch einer Sozialgeschichte"
Seltsam, dass zigtausende Menschen einer guten alten Zeit nachtrauern, die es so nie gegeben hat. Was wohl daran liegt, dass nur wenige dieses Menschenschlages sozialkritische Geschichtsabrisse an sich heranlassen.