23 Dez 2007, 11:01pm
Buch
unkommentiert

Geschichten? Touristenfallen? Beides!

Gertrud Buschs biographischer Roman "Wolfgang Uhle – Der Pestpfarrer von Annaberg" (1939) berichtet nicht nur vom abenteuerlichen Leben dieses Mannes sondern auch von der wilden Schönheit des sächsisch-bömischen Erzgebirges.

Einziges Manko hier: Wolfgang Uhle lebte von 1512 bis 1594 und ich wage zu bezweifeln, dass sich das heutige Erzgebirge ebenfalls noch für uhleskes Überlebenstraining eignet.

Auch der Roman "Zwölf Stühle" von Ilja Ilf und Jewgeni Petrow berichtet aus einem Land vor unserer Zeit: der Sowjetunion um circa 1928. Die russische Revolution hat zwar die Machtverhältnisse neu verteilt, aber nicht die Menschen selbst geändert. Noch immer sind alle hinter Geld und Ansehen her und trauern dem Glanz der alten Zeiten nach.

Die Helden des Romans sind keine Ausnahme. Worobjaninow und Bender reisen kreuz und quer durch die sowjetische Union; sie jagen dem kleinen Vermögen nach, welches sich in einem der besagten zwölf Stühle befinden soll. Auf dieser Reise treffen die beiden auch seltsame TypInnen und besuchen interessante Orte und machen mir, dem Leser, Lust auf eine Rundreise durch die ehemalige USSR/GUS.

Doch leider kann ich erstens kein Russisch und habe zweitens ein klein wenig Schiss vor solch einer Rundfahrt. Man hört und liest da so Dinge, nun ja. Wahrscheinlich geht es ausländischen Touristen auch so, die sich gegen einen Stadtrundgang durch Pirna oder Mügeln entscheiden.

(Übertreiben die Medien? Kann schon sein. Vielleicht ist aber doch was dran an den gruseligen Berichten über diesen Teil der Ersten Welt.)

Wo wir schon bei abschreckenden Übertreibungen sind: Algernon Blackwoods Erzählung "Die Weiden" (The Willows, 1907) rät davon ab, mit Kanu oder Schlauchboot die Donau »stromabwärts von Wien, aber noch lang vor Budapest« zu befahren. Der Weiden wegen. Oder was auch immer dort unten auf den Kiesbänken herumspukt und Menschenopfer fordert.

Wobei ich annehme, dass dieses Problem sicherlich inzwischen durch Touristenüberschuss und ausreichend Umweltzerstörung aus der Welt geschafft worden ist. Und das wiederum wäre ein seltener Fall, wo der Raubbau an der Natur nicht nur schlechte Seiten hat.

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