Gesehen und vertwittert: Januar bis August 2018

Eine Menge starke Meinungen zu Filmen und Serien, rüberkopiert aus meinem beliebten Twitteraccount.

„Tag der Befreiung“-Filmnacht: zwei Mal MUTINY ON THE BOUNTY, eine mit Clark Gable und eine mit Marlon Brando als Fletcher Christian. Vom heutigen Standpunkt aus scheint es undenkbar, dass die Crew den Captain nicht bei der ersten Gelegenheit hat über Bord gehen lassen. Die zu einer irren Hackordnung verkommenen Sachzwänge und Schreibtischtaten passen aber wirklich gut zur heutigen Gesellschaft. Selbst mit einem verlockenden Paradies vor Augen und tausende Seemeilen vom britischen Galgen entfernt befolgt man Bligh’s Befehle, bleibt Knecht.

Meine Arbeitshypothese ist insgesamt, dass sich rechtslastige Fans solcher Filme eher mit historischer Genauigkeit, technischen Details und Schauwerten beschäftigen, um die Aussage nicht an sich ranzulassen. Sie sehen vermutlich stets einen „anderen“ Film als die Linke.

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Anti-/Kriegsfilmnacht: A BRIDGE TOO FAR / DIE BRÜCKE VON ARNHEIM. Eine unglaubliche Materialschlacht – und eine Erinnerung daran, wozu Menschen ohne CGI fähig sind.

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Kriegsfilmnacht: LUFTSCHLACHT UM ENGLAND / BATTLE OF BRITAIN. Eine weitere* Materialschlacht im Kampf um beeindruckende, realistische Filmbilder. Sollten diese Opfer umsonst gewesen sein? (*Zuletzt sah ich den beinahe fühlbar ziegelstaubigen und verqualmten A BRIDGE TOO FAR.)

Von Englands Innenpolitik und Klassengesellschaft mal abgesehen: zumindest haben sie eine Menge Nazis abgeknallt.

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Polanski-Filmnacht: BITTER MOON und DEATH AND THE MAIDEN. Ich mag sehr, dass Polanski immer und immer wieder die selben Themen (Schuld und Sühne, Bestimmung und Verlockung) variiert. Man kann da durchaus viel Biografiearbeit reinlesen. Vllt sollte ich den beiden wegen abstoßend realistisch inszeniertem Schmutz abgebrochenen Polanskistreifen noch eine Chance geben: OLIVER TWIST und PIRATEN.

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lange Polanski-Filmnacht: DAS MESSER IM WASSER, CUL-DE-SAC und ROSEMARY’S BABY. Vielleicht nicht die beste Idee, denn jetzt ist erstmal wieder alles im Blickfeld ominös und jeder Smalltalk bedeutungsschwer. Man beginnt, wie bereits erwähnt, überall Zusammenhänge zu erkennen und eine Handschrift.

Einiges vllt. nur Zufall, weil die benutzbaren Elemente sich irgendwann ganz logisch wiederholen müssen: Frisuren, Nasen, Fremde in Autos, Lichtführung. (CUL-DE-SAC, DEATH AND THE MAIDEN) Häuser am Meer (CUL-DE-SAC, DEATH AND THE MAIDEN, THE GHOST WRITER), Tod durch/in Salzwasser, versinkende Fahrzeuge, in Holz spickende Messer, Braten (REPULSION, BITTER MOON, TESS), seltsame Gesellschaften (WHAT?), Kammerspielsituationen, Dominanz und psychische Gewalt, …

Alles in allem liebe ich das (relativ überschaubare und dennoch reizvolle) Polanski-Gesamtwerk sehr, was ich ebenfalls bereits erwähnt habe würde ich meinen. Lobende Erwähnung an dieser Stelle auch an den (in diesem Film bereits 47 Jahre alten) umherhüpfenden Donald Pleasence in CUL-DE-SAC. Der Film ist insgesamt seltsam genug, aber eigentlich „nur“ eine Filmnoir-Verbeugung. Das Schwarzweiß ist grandios.

Noch immer wütend darüber, wenn der finale Akt von ROSEMARY’S BABY als „Twistende“ bezeichnet wird, obwohl alles von Anfang an aufs Verderben sich zuspitzt und noch dazu auf klassischen Pulp-/Horrorliteraturtropes (zB THE DEVIL RIDES OUT von Dennis Wheatley) aufbaut.

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Filmnacht bei Gaslicht: LES DIABOLIQUES / DIE TEUFLISCHEN von Henry Clouzot. Suspense ist rar, aber gut genug eingesetzt. Die unbefriedigende Auflösung sieht man bereits früh vom Horizont heraufziehen. – Es gibt auch ein Remake dieses Films: Danke, aber nein danke!

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Monsterfilmnacht: PACIFIC RIM UPRISING, welcher quasi eine ernstgemeinte Variation von HOT SHOTS ist und mich den wohlproportionierten Original-PACIFICRIM noch mehr wertschätzen lässt. Und SHIN GODZILLA, der wohl klassischstmöglichste Monsterfilm des beginnenden 21. Jahrhunderts.

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MAD MISSION 2 (extrem banane Hongkong-Actionkomödie mit deutscher Spaßsynchro) und HOT SHOTS (rechtskonservative Luftwaffe-„Parodie“ mit haufenweise billigem Slapstick).

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Abgebrochene Filmnacht: Hitchcock’s TOPAZ und Svankmajr’s FAUST haben mich wohl einfach nicht interessiert – TOPAZ wegen der egalen Kalterkrieg-Story, FAUST wegen seiner das Mitfiebern unmöglich machenden Traumlogik. Beide Filme haben zudem langweilige Hauptfiguren. Der vortags geschaute ALICE vom Svankmajr hat mir hingegen enorm gut gefallen. Hier sind viele Elemente versammelt, die ich sehr mag, beginnend mit dem flohmarktigen Setdesign über Bodyhorror (die Sägespäne!!) bis zu Erinnerungen an die eigene Altbau-Kindheit.

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Buddycop-Filmnacht. LETHAL WEAPON II und TO LIVE AND DIE IN L.A.: der erste inszenatorisch erstaunlich grobschlächtig, der zweite überragend in allen Belangen. Selbst die Eurothriller-Weirdness inklusive gedubbter Stimmen und Sleazefaktor kommt gut. Top Actionsequenzen obenauf. Die Actionsequenzen in LW2 wirken alle irgendwie falsch, trotzdem sie gewöhnlich sind und also funktionieren sollten. Die Verfolgungsjagd in TLADILA hingegen ist mitreissend, obwohl massig filmisch seltsame Entscheidungen getroffen werden.

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Entführungs-Filmnacht: KIDNAP mit Halle Berry (empfohlen vom Flop House Podcast). Ein schön strikter B-Actionfilm mit ‚dünner‘ Story und allen Erzählmitteln in ausgewogener Dosierung. Doppelfeature mit dem auf 11 gedrehten DRIVE ANGRY böte sich an zum Direktvergleich.

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MALCOLM X von Spike Lee. Eine rundherum gleichauf wunderschöne u. wichtige Filmbiografie. Wieso redet kein Mensch mehr über & wieso dreht niemand solche Werke? Alle empfehlen am laufenden Band „empowernde“ Halbzeitshows und Comicfilme, alle gucken wütend Talksendungen.

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Filmvormittag: LOGAN von James Mangold. Eine weitere Lektion im Superheldenfilmemachen: zitiere dein liebstes Genre und erweitere es um Superkräfte und Gesellschaftskritik. Siehe auch IRON MAN 3. Charaktere, Charaktere, Charaktere! Nachvollziehbare Handlungsorte und Wendungen! Und viele kleine Tschechowknarren!

So viele Headstabs. Ein sehr schöner Film. Picard hätte nen Nebenrollen-Oscar verdient.

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Nebendarstellercasting-Filmnacht: DAS MILLIONENSPIEL (1970) mit unvorstellbar deutschem Publikum, THE WICKER MAN (1973) mit einer rundherum offputting Ansammlung von Kleindarstellern. Beide Filme kann ich auch sonst sehr empfehlen, aber die Besetzung ist superb.

THE WICKER MAN unter dem Aspekt der Studentenrevolten angeschaut: der Protagonist wird zum spaßverderbenwollenden Schurken. (Seltsam, dass mir auch sofort das bayrische Polizeigesetz einfällt.) DAS MILLIONENSPIEL karikiert die deutsche Vergangenheitsbewältigung, nicht Gameshows.

Mit einer ähnlichen Lesart kann man übrigens auch Cronenberg’s SHIVERS / THEY CAME FROM WITHIN umdrehen: es ist Horror für Spießer. Parasitärer Befall leitet die Befreiung von sexualmoralischen Fesseln ein. (Ich glaube, er sagt das auch selbst in Interviews.) Alles in allem: Genrefilme sind idealerweise linksrevolutionär, und zwar nicht nur im Sinne „bahnbrechender Computereffekte“.

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Künstlerbiopic-Filmnacht: DIE TÄNZERIN, der sicherlich solide ist aber mir inhaltlich zu egal war. (Der ausgedacht wirkende erste Akt ging über in die übliche Aufstieg-und-Fall-Struktur.) Und TOM OF FINLAND, den ich rundum als weitaus inspirierender (und spannender) empfand. Bester Film über eine Tänzerin ist für mich noch immer SUSPIRIA.

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Entertainer-Filmnacht: THE JAZZ SINGER und MAGIC MIKE. Beide mit faszinierender Besetzung und aber auch mit jeweils bisschen sehr konstruiert wirkendem dritten Akt. (Beim Jazzsinger ist die komplette Handlung ehrlich melodramatisch, die Pillenproblematik in MM wirkt aufgesetzt.)

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Zur Abwechslung mal Serien weggucken: TWIN PEAKS Pilotfilm und die ersten fünf Episoden THE PEOPLE VS O.J. SIMPSON. Beides „solide Fernsehunterhaltung“ mit originellen Charakteren. Aber weiterzugucken könnte ich wohl verlustfrei bleiben lassen. (Meine Lösung: hab‘ die finale Episode THE PEOPLE VS O.J. SIMPSON geschaut und in zweidrei TWIN PEAKS Folgen der ersten Staffel reingezappt. Das reicht wirklich locker zu.)

Hier noch die Erinnerung daran, dass das Simpson-Gerichtsdrama von Scott Alexander und Larry Karaszewski geschrieben/produziert ist, den Autoren von ED WOOD, BIG EYES sowie des ganz netten GOOSEBUMPS. Von guten Leuten alles in allem. Und ich liieeebe John Travoltas weirdes Gesicht!

Nicht nur die Begehung der Simpsonvilla ist haarsträubend. Ich will das eigentlich doch weiterschauen, weil da kommt sicherlich noch einiges an Seltsamkeiten. TWIN PEAKS lockt auch sehr. Wobei… naja, es ist halt ein ausgedachtes Sexualverbrechen plus fürchterliche Kaffbewohner. Apropos: In der Dana Gould Hour wurde die These vertreten, LOST HIGHWAY basiert auf dem O.J.Simpson-Fall; Lynch sei obsessed gewesen vom (möglichen?) Tathergang.

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Pro7Mystery-„Filmnacht“: einige Episoden der ersten XFiles-Staffel. BEYOND THE SEA, GENDER BENDER, LAZARUS und YOUNG AT HEART. Solide Fernsehunterhaltung, gute Kameraarbeiten. Beste Episode ist BEYOND THE SEA, wegen Brad Dourif in vollem GeminiKiller-Modus. Die Episode GENDER BENDER ist einigermaßen problematisch. Hat das alte Klischee „schneller Sex bedeutet Tod“, zudem wird eine kleine Religionsgemeinschaft… naja, ich weiß nicht… in Verruf gebracht? Ziemlich seltsames Gemenge jedenfalls. Klassische Pulpstory gleichzeitig.

LAZARUS und YOUNG AT HEART zeigen, dass die X-Akten zumindest ursprünglich mal wirklich eine „Mystery“-induzierte Krimiserie war. Und: Keine Ahnung, wie oft Scully und Mulder im Verlauf aller Staffeln abwechselnd krankenhausreif-geschossen wurden. Sicherlich sehr oft.

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Pro7Mystery-„Filmnacht“: weitere Episoden der ersten XFiles-Staffel. E.B.E., MIRACLE MAN, SHAPES und DARKNESS FALLS. Man kann nicht meckern, wenngleich SHAPES ähnlich problematisch ist wie GENDER BENDER. Horrorserie ohne Othering geht aber wohl nicht.

Man merkt bei den Episoden teilweise ihr vergleichsweises Mikrobudget. Aber haufenweise Locations pro Staffel und für jede Episode komplett neu auftauchende kleine Sprechrollen. Es fühlt sich ‚echt‘ an trotz/wegen veralteter Visuals. Die DVD-Bildquali ist nicht sonderlich. Apropos Bildqualität: Ich habe keinen zeitgenössischen Riesenbildschirm daheim. Sind gestochenscharfe HD-Bilder gleichauf mit der extraspukigen VHS/Röhrenfernseher-„Komprimierung“, die für mich stets einen Teil der Wirkung solcher Filme und Serien ausgemacht hat?

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Hab mir gestern die letzte DVD der ersten Staffel angeschaut. Sehr schön. Nicht soo schlecht gealtert insgesamt. Ich will nicht behaupten, dass Akte X realistisch ist, aber da weiss ich dass es echte Folklore bzw. Urbanlegends und echte Verschwörungs-Theorien benutzt.

Ernsthaft würde es die meisten klassischen Monsterfilme entwerten, wenn man die Lösung irgendwie mit Marvel-Charakteren erklären täte. Eigenständige oder „überlieferte“ Plot-Elemente wirken sofort echter. Wobei ich wiederum LOGAN sehr mochte, weil er all diesen Spandex-Anzug-Quatsch aufs Minimum runterfuhr. Der wär sehr gut als eigenständiger Film gegangen, man hätt nur noch mehr erklären müssen halt. Bei Carpenters VAMPIRE$ weiss man sofort, wie was funktioniert.

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Akte X, aber Mulder bekommt Insidertipps „aus gut informierten Kreisen“ ausschließlich bei den Monster-Der-Woche-Episoden.

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unterwältigende PSI-Kräfte-Filmnacht: DEAD ZONE und PROFONDO ROSSO / DEEP RED. Ersterer ist offenbar ein TV-Film und leider sehr zahm. Der zweite ist pfuschig in einfachen Sequenzen & ansonsten abwechselnd Schockvalue-Quark und Hitchcock-Copypasta. 3/5 Sterne jeweils. Argentofilme sind effektvoll auf die selbe Weise wie es effektvoll wäre in einen offenen Kabelschacht zu fallen. Erschrecken und Verstören sind enorm billige Stilmittel.

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Fantasyfilmnacht: GODS OF EGYPT von Alex Proyas, von dem ich unsicher bin wer die Zielgruppe ist. Der asiatische/arabische Markt vielleicht, wo man ihm mindestens einen Themepark-Ride widmen wird. – Nett anzuschauen, aber inhaltlich komplett egales Geprügel um Familie, Ehre usw.

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Herumgerenne-Filmnacht: JURASSIC PARK 2 sowie TRANSFORMERS THE LAST KNIGHT. Beides sind sehr dumme Filme, aber JP2 ist einfach nur ein lahmer Aufguss. Bei TTLK liegt das Problem(?) weitaus tiefer: *Alles* ist fast gänzlich entkoppelt voneinander, auch einzelne Szenen zerfallen. Sie zerfallen vom Ton und von der Inszenierung, springen teils random zwischen den Agierenden herum, die wiederum ihre Dialogzeilen aufsagen ohne dass kohärente Gespräche zustandekommen. Alle Visuals wurden auf Elf gedreht. Der maximalmögliche Überseemärkte-Blockbuster.

Einer der vielen visuellen Wow-Momente: Michael Bay zitiert(?) in TTLK den guten alten ABYSS. Möglicherweise als Verbeugung vor James Cameron, möglicherweise versehentlich. Es fällt auch weiter nicht ins Gewicht im krachlauten, durcheinanderen Spektakel. (Welches ich sehr mag.)

Wie gesagt: JURASSIC PARK 2 ist eher Mist (bis auf nette Kameraarbeit), TRANSFORMERS THE LAST KNIGHT ist ein traumlogischer großer WTF?!-Moment und ‚auf der Metaebene‘ sehr zu empfehlen. Gern wieder, gern mehr von diesem surrealistischen BestOf der jüngsten Popkulturjahrzehnte.

Dreistündiger Vergnügungspark-Ritt, ähnlich GODS OF EGYPT. Und mit Vergnügungspark meine ich wortwörtlich einen Vergnügungspark, ähnlich denen von Lionsgate in Dubai etc.

Was ich auch irgendwie mag: LOGAN und TRANSFORMERS THE LAST KNIGHT nutzen diese ekligen ICE-Abschiebetruppen als dramaturgisches Element. (LOGAN nimmt sogar die Kindergefängnisse vorweg.)

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presidentielle Filmnacht: MY FELLOW AMERICANS (1996) von Peter Segal. Damals gefilmt, als (Ex-)Präsidenten für Hollywood-Autoren noch Ausstrahlung hatten und nur eine rauhe Schale. Nettes Satirchen für Zwischendurch. Beide Parteien „kriegen ihr Fett ab“. Entliehen tatsächlich wegen Wilford Brimley. Doch für knapp eine Minute ist auch mal Dana Gould zu sehen als „sandwich guy at book convention“. Yay!

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Dutzendware-Gunkata-Scifantasy-Filmnacht: THE DARK TOWER, welcher sehr gut zeigt, dass es unverfilmbare Werke gibt – zB, weil es allzu albern wäre, eine solch kindische Mixtur aus ausgekauten Tropes und verstiegenem Worldbuilding realfilmisch umzusetzen. Es ist sehr konsequent, dass die Zeichnungen des jugendlichen Helden allesamt nicht wirklich gekonnt ausschauen, alterstypisch eben. Andererseits scheint der gesamte Filmplot auf ebensolchen Schulheft-Krakeleien zu basieren.

Ich glaub‘, das Hauptproblem ist, dass der Film von Null auf Hundert geht. Und vor allem leider aber auch, dass die Elemente alle nicht zusammenpassen in dieser Hektik.

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IT Neuverfilmung. Kann man machen, aber dann bitte ohne shitty Jumpscares, CGI-Overkill und Klischee-Schocksounds. Die Kinderdarsteller*innen sind allesamt top, der Film ist es nicht. Wenn schon Achtzigerjahre-Nostalgie, dann bitte einzig bei den Filmtricks! Es(!) ist ja nicht so dass IT schlecht oder komplett am Thema vorbei inszeniert wäre. Aber bereits die Entscheidung, nur die Kinderzeit zu zeigen, ist leicht plemmplemm. Und wieso die fucking Eighties hier reinholen?

Spannungstechnisches Hauptproblem bei IT (und anderen Verfilmungen) ist eh: Leser wissen, wen der Böse wann abschlachtet, die Hauptfiguren erlangen insofern keine wirkliche Fallhöhe. Der Film bleibt eine Geisterbahnfahrt, „das Buch war besser“. Zudem: Wieso wird Georgie in den Abfluss gezogen und bekommt nicht nur den Arm abgerissen? Diese kleinen Änderungen stressen – vor allem, weil der Rest sehr nah an der Vorlage ist.

Aber ja, insgesamt wohl ein gutgenuger Film.

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Horrorfilmnacht: GET OUT, der im Gegenzug zu den IT-Verfilmungen eben keine Verfilmung ist und deshalb sein eigenes, klassisches Tempo besitzt. GET OUT ist ein feiner kleiner Paranoiahorrorstreifen, dessen Ende (nach dem konsequenten Showdown) mich jedoch etwas wurmt.

Das hier sowieso, inklusive des fehlenden Paranoiafilmeinfalls, den alltagsrassistischen Polizisten schwarz sein zu lassen mit Mütze auf: »If the characters in your horror movie don’t hit an animal during their drive to some horrible place, you WILL be arrested and you WILL go to jail« (@longwall26)

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Peter Hyams‘ CAPRICORN ONE, ein handelsüblicher Verschwörungsthriller mit Katastrophenfilm-Einschlag und weirdly Investigativjournalismus-Subplot. Krass dialoglastig zudem. Fühlt sich deshalb insgesamt nach Buchverfilmung an, aber ist wohl ein Originaldrehbuch.

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Filmnacht: die erste Hälfte des 1973er PAPILLON. Wer bitte sieht diesen Film und denkt sich: „Ganz nett, aber hier und da fehlen Kamerabewegungen und postproduzierte Effekte“?

zweite Filmnacht: PAPILLON fällt in der zweiten Hälfte ab und hat rückblickend die selbe Struktur wie die MUTINY ON THE BOUNTY, inklusive der Edlen Wilden als emotional positiver Boost vor dem finalen Filmdrittel. – Insgesamt wäre es eine typische @thedollop-Episode.

Papillon schildert die Menschheit, getrieben von Macht und/durch Zahlungsmittel und zu allem bereit. Hier auch wieder: sicherlich gibt es Leute, die aus dem Filmerlebnis rausgehen mit „das würde ich auch überleben, ich geh ja pumpen“. Anstatt mit Hass auf gewalttätige Strukturen.

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durchwachsene Filmnacht: WE’RE NO ANGELS, ein inhaltlich teilweise problematischer 1955er Wohlfühlfilm von Michael Curtiz, sowie KONG SKULL ISLAND, den ich von Anfang an hasste und nach ca. 17 Minuten fluchend auswarf. Meine Notizen zu WE’RE NO ANGELS widmeten sich der Top-Besetzung und den schönen Sets. KONG SKULL ISLAND hat beides und im Filmtagebuch steht dennoch:

»Fuck, was soll das? Fuck, es nervt so sehr! Fuck Militär, Rotlichtviertel und Kneipenschlägerei! Hiddleston als TescoValue-DRIVER. Was für ein Scheissdrecksfilm! Wieso sprechen die schwarzen Charaktere kein Jive, die Japanerin radebrecht. FUCK OFF!«

Dieses eklige Abgewichse auf Retro-Militärequipment und Hooray!-Fußsoldatentum. Eine bombenwerfende Expedition und insgesamt diese dumme FuckYeahScience!-Fanfiction. Die unmögliche Gewitterfront direkt aus FURY ROAD. Schnippischer female Reporter, einsilbiges Rauhbein, etc. >:(

WE’RE NO ANGELS beginnt so ziemlich wie ein Kurosawa-Samuraifilm und wirkt auch erst einmal so wegen des „durchsichtigen“ Sets. Die Sträflinge laufen informationssammelnd auf dem Dach herum und gucken unentdeckt durch Oberlichter, bringen aber versehentlich die Handlung in Gang. Farben, Mimik, Gestik, alles toll hier. Mein erster bewusster AldoRay-Film auch und einer der wenigen Bogartfilme, die ich bislang sah.

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Eintrickpony-Filmnacht: Ich sah BABY DRIVER, dessen Klangkonzept für etwa sieben Minuten tolerierbar und der inhaltlich ansonsten leider durchweg abgedroschen ist. Nette Ideen sowie Jon Hamm schleppen diesen mittelmäßigen Actionthriller(?) mit letzter Kraft über die Ziellinie. BABY DRIVER ist der Einbruch mit Gesang aus HUDSON HAWK, breitgewalzt zum B-Film-Gimmick. Aber das eigentliche Problem an BABY DRIVER ist, dass ich die Motivation und das Verhalten der Hauptfigur nicht glaube. Ist er mir zu komplex? Nein, er’s zu sehr all over the place.

Filme wie BABY DRIVER, KONG SKULL ISLAND oder GUARDIANS OF THE GALAXY sind ein recht plumper Versuch, crossmedial die Werbetrommel für den Musikbestand der jeweiligen Produktionshaus-Tochterfirmen zu rühren. (Niemand bräuchte einen Killersoundtrack, wenn der Filmscore gut wäre.)

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Superheldenfilmnacht: SPIDER-MAN HOMECOMING. Abgebrochen vor allem wegen der hippelig smarten Kinderserien-Pingpongdialoge.

Es ist inzwischen normal, dass die Charaktere allesamt ununterscheidbar schnippisch sind. (Vgl. den GOOSEBUMPS-Film oder CAPTAIN UNDERPANTS.) It’s stressig. Ich weiß, dass Peter Parker „flotte Sprüche klopft“. Und ich liebe das ultrarealistisch(?) diverse Casting. Aber oh Mann….

Und wieso finanziert Tony Stark einem hochbegabten, übermenschlich körpergewandten Jugendlichen (und dessen Freunden) nicht die bestmögliche Ausbildung?

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Neonoirfilmnacht: GUMSHOE von Stephen Frears. Bei dem ich zwar das Subgenre „unser Protagonist eifert Bogart nach und stolpert in echtes Abenteuer“ beinahe verabscheue, jedoch den Film an sich wiederum teilweise (Casting, Farbstimmung) wirklich mag. Gutes Mittelmaß insgesamt.

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AllesAufElfGedreht-Filmnacht: SASORI VOL. 1 (alsbald abgebrochen weil es allzu theatralischer MaleGaze-Schund ist) und BRAM STOKER’S DRACULA (durchgehalten der Vollständigkeit halber, obwohl es theatralischer MaleGaze-Schund ist). Keanu mit grauen Haaren ist die unglaubwürdigste Designentscheidung im gesamten Film. SASORI ist optisch ebenfalls prima, aber ich hasse die Aufgedrehtheit und die rapey vibes der Filmproduktion hier plötzlich enorm.

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90sfilmnacht. Aus aktuellem Anlass sah ich NATURAL BORN KILLERS bzw. versuchte es. It’s der horribelste Schund und gleichzeitig eine Parodie auf den damaligen Zeitgeist. Nur: wieso einen absichtlich schlechten Film machen? Kopfschmerz von der Kameraführung und den Bildeffekten. Wenn man die Kamerakasperei abzieht, dann bleiben billiche Sets und Geschrei und pseudocooles Gehabe. (Was wohl auch der Sinn der Übung war. Nur hat es damals wohl kaum jemand als Warnung vor Stilmittel-Overkill verstanden.) Unsere Zeit will pompöse Handlung und flüssige Kamera.

Die Neunziger waren eine wilde Mischung aus wütenden jungen weißen Männern und Loveparade-Wohlfühlkapitalismus. Interessante Zeiten damals. So, wie eigentlich jedes Jahrzehnt der Menschheitsgeschichte rückblickend batshitcrazy ist.

Vom reinen Überfluss an Eindrücken geht NATURAL BORN KILLERS sehr gut mit dem (zeitgleichen?) BRAM STOKERs DRACULA zusammen. Aber für meinen Geschmack ist in NBK nur die übersteuerte Sitcom-Parodie (mit Rodney Dangerfield als Vater) länger haltbar geblieben als bis ca. März 1997.

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abgebrochene Filme: BABEL, weil ich nicht auch noch ausgedachte lebensnahe Schicksalsschläge benötige, wenn es zuhauf bedrückende Longreads von rund um die Welt gibt. Und WHO IS HARRY CRUMB?, weil die aufgefahrene Comedy fürchterlich ist. (Letzterer Film hat Shawnee Smith tho!)

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abgebrochene Filmnacht: THE MORNING AFTER (Sidney Lumet), THE OUTSIDERS (FFCoppola) und DER BULLE VON AMSTERDAM (Wim Verstappen) – jeweils aus dem einen oder anderen Grund für egal empfunden, durchgespult und ausgeschalten. DR GOLDFOOT AND THE GIRL BOMBS ging auch garnicht klar. Humor für den Müllkübel. Tatsächlich kann ich garnet recht beschreiben, was genau ich an diesem hippeligen Film so grausig fand. Aber es ist wohl mehr ein Zeitdokument als alles andere. Vincent Price tho!

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Gestern brach ich zwei HeinzErhardt/“Willi“-Filme nach jeweils zehn Minuten ab wegen ihrer fremdschämig-unbeholfenen Ulkigkeit inkl. Beamtenhumor und Cultureclash-Cringe.

PROTIP: Du musst nicht alles schauen!