Gesehenes in der ersten Januarwoche 2018

Erneut einige in Form geklopfte Tweets:

„Diese scheiss Ratesendungen!“ (meine Großtante)

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Wir schauen nun DIE KLEINE MEERJUNGFRAU von 2013, weil wir deutsche Arbeitsbeschaffungs-Filmproduktionen mögen. / Gott diese gesamtdeutschen Märchenfilme sind so schlimm unnütz. Aber gute Lichtsetzung teilweise. / weirde Pornoparodie-Vibes dank der HDqualität / die letzte Bastion des Bühnenfechtens im deutschen Fernsehen / schön altbackene Geschlechterrollen und Funduskostüme

Was mich insgesamt unterwältigt bei dieser Sorte Märchenfilm, ist die dermaßen runtergeschraubte Künstlichkeit. Kaum Aufwand bei den Sets, die bereits erwähnten Fundus-Kostüme, die langweilige Musikuntermalung. / Es muss ja nicht jeder Märchenfilm ein Effektefeuerwerk wie das original KALTE HERZ sein oder DAS SINGENDE KLINGENDE BÄUMCHEN oder OLLE HEXE. Wäre jedoch nachhaltiger imo.

Die Prinzessinnen werden später alle auch Tatort-Opfer bzw. Kommissarinnen. / Kommissar Rübezahl

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Kinoabend: LOVING VINCENT nutzt für seine Rückblenden sehr schöne Schwarzweißbilder ironischerweise, der knallige Vangoghstil nervt eher. Storytechnisch ein Schulterzucken. / A SCANNER ARTSY (2017)

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Wir schauen MDR. Wolfgang effin Stumpf muss die B-Kamera selbst halten mittels Selfiestick. / RIP Co-Kameramensch

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Die Musikuntermalung bei ADELHEID UND IHRE MÖRDER ist der Horror. / Die Kamerapositionen sind währenddessen sehr seltsam nahedran.

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mehrteilige ÖR-Dokumentation ZEHNTAUSEND KILOMETER DURCH RUSSLAND wo die Interviewten („in $ort treffen wir $person“) nicht vor laufender Kamera kritteln wollen und aber alles Bauliche nach Goldgräbersiedlung oder anderweitig wonky ausschaut.

Ich mein: braucht es wirklich all diese Hygiene- und Baubestimmungen, an die wir uns einigermaßen gewöhnt haben? Darf man nicht perma-angetrunken in verrottenden Häusern fettige Fleischgerichte kochen? Der linke Meinungsmainstream verurteilt all das.

(Wobei das Gezeigte durchaus oft genug wirklich ein wenig nach Aussteiger-Utopie ausschaut. Farbe blättert, Schweine werden gehalten, man geht Eisangeln und besitzt einen rostigen alten PKW.) [plot twist: Geld und soz. Umfeld ist dennoch vonnöten selbst für dieses Leben!]

[D]as sah alles genauso bzw leidlich besser aus wie in einer Doku über die USA-Hinterlands. Extrem abgehängte Menschen, hier mal speziell weißer Hautfarbe (vgl white trash) die sich ihr Kackleben schönlügen. / Meine salonlinke Elfenbeinturmmentalität ist ja solcherart, dass alle Welt in diesem Turm sich ansiedeln können sollte. Dass kein UnserViertelBleibtDreckig-Selbstbetrug mehr notwendig ist um Würde zu bewahren.

„Klar container ich, klar zieh ich mit nem geliehenen Lastenfahrrad um und lass meine untrainierten Kumpels sich krummbuckeln für vegane Kuchenstücke, klar bekleide ich mich aus ZumMitnehmen-Kartons.“

Trucker, die Diesel abpumpen und schwarz weiterverkaufen zwecks Zubrot? Sehr menschenwürdig. / Die Leute in der Doku träumten maximal von nem besseren Leben. Solche Interviews kannst du in jedem Staat der Erde führen. Bzw nicht, wg Staats- und Selbstzensur.

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Wir schauen den BERGDOKTOR. Die Schauspieler sind allesamt sehr gut und die Produktion war sichtlich aufwändig, aber die Story ist extrem groschenheftig, untermalt mit schwelendbedrohlichem Score. Jetzt wird es zu CABIN FEVER. / Episode „Höhenangst“. Wohl eher „Der Lazarettarzt“ wenn der Plot weiterhin eskaliert.

Ugh der Rettungshubschrauber kommt leider bereits. Nun gut es sind halt nicht die Rocky Mountains, sondern alles passiert sechs Kilometer ums Heimatkaff entfernt. / Der Film geht weiter und weiter. Lehrbuch-Schicksalsschlägedramaturgie. / So viele HDDrohnen-Kameraflüge, die bekommt man inzwischen offensichtlich nachgeworfen.

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Deutsche Historiendramen schildern rechte Szene als aus Privatgründen rechts und Linksextreme als eigentlich rechts weil zb hart frauenverachtend und gewaltgeil und auf Ruhm aus. / Wenn die Vielschichtigkeit rechtsextremer Biografien geschildert wird: „Whoa der Arme, Zerrissene!“ Wenn Linksextreme ungereimt sind: „Seht ihn, er ist eigentlich genauso faschistoid!“ (same for die Konstellation Serienmörder vs. Profiler)

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KRÜGERS ODYSSEE – alle Fördermittel flossen in Flug und Unterkunft. Haarsträubender Fernsehfilmlook im Direktvergleich zum gestrigen BERGDOKTOR. Story wirkt wie aus den Wirtschaftswunderjahren. / Die Bootsfahrten im Mittelmeer wurden offenbar dreizehn Meter vom Ufer entfernt gefilmt.

Diese Frührentner sind irgendwie alle die selbe Figur. / Einfach toll, wie hier mit humoristischen Mitteln die Vorurteile der Protagonisten entkräftet werden. / Oh mann diese amateurhaften Einsprengsel von Drama und Schicksal. / Die Ausleuchtung des Klosterkammersets macht mich alle. / Comedyserien-Beleuchtung

Und auch hier wieder diese fürchterlich humorige Musikuntermalung wie bei ADELHEID UND IHRE MÖRDER. / [V]or allem diese kleinen Instrumenten-Blings und -Blongs, die die Reaktionen unterstreichen.

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TATORT jetzt, standardmäßig losgehend anstatt mit Twist, dass der Typ sofort den Gefängniswärter benachrichtigt. / Leider jucken mich die beiden Typen null. / Zeitgenössische (deutsche) Mafiastories bekommen meinerseits nur gut 40% der Aufmerksamkeit, weil sie sofort ausgedachter wirken als sie es vllt sogar sind. Es sind quasi „Monster der Woche“-Episoden zwischen den Polit- und Sozialdramen.

Kopper in der Zwickmühle, bekannt aus all den Filmen die er sicherlich kennt. Sprechender Name tho. / Die kantigen Typen erleben ein spannendes Abenteuer, die Frauen trotten ermittelnd hinterher oder werden bedroht bzw. sind die Lockvögel.

Tatortdialoge (also die an den Tatorten) sind immer dröge Infodrops wenn man kein Budget hat um die Vorgeschichte zu verfilmen.

Kopper beichtet zum 1ten Mal nach vierzig Jahren. Priester: Mein Sohn, du musst sofort zur Polizei gehen!“ Ganze Kneipe kichert oder lacht. Beste Dialogzeile bislang.

Es ist das Prequel der deutschen Antwort auf C.H.U.D., nice!

Wetten, dass die den alten Fiat crashen und nicht den BMW-SUV? / Ah gut, doch beide. Aber den Fiat hat es am Schlimmsten erwischt.