Gespenster-Geschichten mit Axel F. – Der Hexer von Bonn (#9): "Der Todesnebel"
Ich kann nicht behaupten, dass die Gespenster-Geschichten durchgehend minderwertige Horrorkost bieten würden. Dafür kenne ich zuwenige Ausgaben. Doch ich hoffe nicht, dass die Story über Axel F.s Kampf gegen den Todesnebel von InsiderInnen als Garant für die hohe Qualität dieser Hefte angesehen wird. Denn dieses schlechte Licht auf Bastei-Gruselcomics wäre beinahe so hell wie die Sonne. (Nimm das, du unsinniges Sprichwort!)
Die Titelstory dieser Ausgabe ist auch die Vorlage für das coole Cover, welches auch der Grund für meinen Reflexkauf war: Totenkopfnebel über der Autobahn! Phallische Wurmwesen! Ein irrer Stunt! Ein tankstellenfickender Monster-Truck! Wahrlich astonishing, diese Mischung! Leider ist die eigentliche Geschichte nicht einmal ein Viertel so beeindruckend ist wie das lockende Titelbild.

Das Spannendste an Axel F.s Abenteuer ist für mich der Versuch gewesen, von den Zeichnungen aufs Land zu schließen, in dem die Geschichte spielt. Alle offensichtlich deutschen Bezüge bestehen nämlich aus Beschriftungen, Namen und Nummernschildern, die sich ja auch prima nachträglich in ein ausländisches Werk einfügen lassen. Entenhausen lässt schön grüßen.
(Oder gab es damals nur um Bonn herum dreispurige Autobahnkreuze?)
Nun ja, jedenfalls kommen Fernsehreporter gerade rechtzeitig am Meckenheimer Kreuz an, um die Wracks einer von Todesnebel verursachten Massenkarambolage zu filmen. Sie finden nur einen Schrottberg und Nebelreste vor, aber keine Leichen oder Verletzten.
Axel F. sieht den Bericht von der Unfallstelle und ist erschüttert:
»FURCHTBAR! Das ist schon der fünfte Unfall dieser Art innerhalb der letzten Monate! Immer auf dem gleichen Autobahnabschnitt!«
Dann bemerkt er noch etwas. Und zwar, dass »Onkel Ludwigs Haushälterin Ännchen« eine der Schaulustigen ist. Erst auf diesen Informationsfetzen hin springt sein Übersinn an und spricht das Offensichtliche aus:
»DER NEBEL BEDEUTET TOD!«
Nun endlich weiß Axel genausoviel wie die Leser seines Comic, verlässt seine blonde Freundin Nicole kurz vorm Abendessen, stürmt aus der Wohnung und hin zu seinem französischen PKW und braust gedankenversunken zum (ZDF-)Nachrichtenstudio, während Nicole vor Wut eine Kerze dragonpuncht.
Eine Vitamin-B-Komplex-gestützte 08/15-Recherche später – ist schon hilfreich, wenn überall ehemalige Mitschüler arbeiten – weiß Axel auch nicht viel mehr, hat aber zumindest den Videomitschnitt gesehen. Er entschließt sich, die Spur der Haushälterin zu verfolgen, die glücklicherweise am Tatort war und eine Perücke trug. Kommissar Zufall hilft dem Hexer von Bonn, wo er nur kann.
Währenddessen stöbert Nicole im Buchregal ihres Freundes und fällt auf ihr popkulturelles Halbwissen herein:
»Hm! "Das Totenbuch des Nostradamus"! Klingt nicht uninteressant! Vielleicht find’ ich da mein Jahreshoroskop!«
Falsch geraten. Stattdessen findet sie gar schröckliche Zitate und ist zu abgelenkt, um den Mercedes zu bemerken, der vorm Haus hält.
Dessen Fahrer wiederum will das Buch. Also steigt er aus und entlässt ein muränenähnliches Wesen (O-Ton des Wesens: »Kssssch!«) und einige Nebelschwaden aus einem Käfig. Nebelschwaden! Aus einem Käfig!
Aber mal abgesehen davon habe ich habe keine Ahnung, worum es sich bei der Pseudo-Muräne handeln könnte, wenn doch laut Titel der Nebel die Bedrohung darstellt. (Vielleicht ja nimmt der Nebel die Form der Kreatur an.) Und warum würde wohl jemand mit Hilfe dämonischer Kräfte die deutsche Fassung des Buches eines Scharlatans stehlen wollen?
Axel kehrt gerade noch rechtzeitig nach Hause zurück, um Nicole vor nebulösen Muränendingern zu retten, vor denen sie sich auf einen Tisch gerettet hat. Natürlich nicht, ohne dem Leser durch prall gefüllte Denkblasen mitzuteilen, welche Adjektive und Gleichnisse auf die Situation zutreffen.
(Hassen Sie es nicht auch, wenn Autoren einem Stimmungen mit dem Holzhammer vermitteln wollen und dazu unter anderem auf Dialogzeilen Marke »Es ist, als ob ein Gruselfilm wahr würde« zurückgreifen?)
Die Rettung erfolgt, wie so oft in kitschigen Geschichten durch handfeste Handlungen. Will sagen, Axel verlässt sich nicht auf (Zauber-)Sprüche, sondern bezwingt die Nebelkreaturen kraft seiner Hände bzw. seiner »magischen Aura«. Was mich zu der Frage führt, ob der Dieb wohl mit weltlichen Methoden – sprich: einem Raubüberfall – mehr Erfolg gehabt hätte. Tja, vielleicht ja beim nächsten Mal.
Einige Gedankengänge und einen Szenenwechsel nach der erfolgreich abgewehrten Spukgestaltenattacke kommt Axel beim Kölner Anwesen seines Onkels an, der »ja schon immer scharf auf das Zauberbuch« war. Dort findet er im LOLigsten Panel dieses Comics die von der Haushälterin in den Hausmüll entsorgte Perücke:
Nachdem weitere textumrankte Bilder hinter dem Leser liegen, wird das Geheimnis um den Todesnebel zwar nicht wirklich gelüftet, aber zumindest seine Verursacher sind nun bekannt: Onkel Ludwig und seine Angestellte. Und so weiter.
Langer Text, kurzer Sinn: Axel entdeckt letzten Ende, dass die Beiden den Nebel mit einem in der Scheune eines leerstehenden Bauernhofs aufgebauten Großrechner erzeugen und im letzten Akt der Geschichte die Kontrolle über den Nebel verlieren, der sich von da an auch gegen seine BeschwörerInnen wendet. Versteht sich von selbst, dass der Dämon kurz vor knapp noch von einem Tanklastzug Besitz ergreift, der Axel F. verschluckt und zu zermalmen droht. Und natürlich besiegt Axel F. den Dämonen von innen heraus und mit bloßen Händen.
Und die Moral von der Geschicht’:
»Vielleicht ziehen einige Leute eine Lehre aus dieser Verquickung von Technologie und Magie, wenn sie das Ergebnis sehen!«
Hoffentlich.
Alles in allem mag diese Geschichte wohl für Freunde der wohligen Gänsehaut genau das Richtige sein. Für mich hingegen ist sie einzig als Blogbeitrags-Zunder nützlich.
…
Ebenfalls in dieser Ausgabe abgedruckt sind folgende comicförmige Erzählungen:
"Die Macht des Wortes", "Das Ausscheidungsturnier", "Ein unschlagbares Team", "Ein Spielzeug für die Göttin", "Im Augenblick der Wahrheit" und "Vom Vorteil der Zeitreise"; allesamt © SI/Fleetway Publications, 1989.
Vor allem die Geschichte vom Ausscheidungsturnier hat mich davon überzeugt, die Gespenster-Geschichten nicht grundsätzlich als Zeitverschwendung zu brandmarken. Auch wenn mich in diesem Fall eher der grobe Zeichenstil aufmerken ließ und nicht so sehr die Originalität der Handlung.
Umso ärgerlicher finde ich, dass außer zur Titelstory – Zeichnung: Jaime Brocal – nirgends erwähnt wird, wer genau jeweils für Bilder und Geschichten verantwortlich war.