Archiv der Kategorie: Film

„Mädchen in Koffer“ (Albrecht Hirche, 2015)

Ein Spielfilmregiedebüt. Nicht jedoch meines, zum Glück (noch) nicht. Nein, es wurde MÄDCHEN IN KOFFER von Albrecht Hirche gezeigt, an einem Sonntagabend im Societaetstheater zu Dresden. Der Autorenfilmer war anwesend und erzählte danach in kleinerer Runde von diversen Aspekten der kleinen Produktion. Neben ihm saß sein Kameramensch Demian von Prittwitz auf dem Sofa und steuerte weitere Hintergründe bei. „Mädchen in Koffer“ (Albrecht Hirche, 2015) weiterlesen

Spuktober 2017

… fand größtenteils auf Twitter statt. Damals, als es noch 140-Zeichen-Beschränkung gab. Hier der Vollständigkeit halber verbloggt:

#Spuktober beginnt leicht verspätet. Ich lese GHOST STORY von Peter Straub und THE CIRCUS OF DR. LAO von Charles G. Finney. // Zudem sah ich C.H.U.D., einen leider nur soliden Ökohorrorfilm, und begann EVILSPEAK zu schauen. Letzterer hat Clint Howard und Satanismus.

#spuktober: EVILSPEAK ist ein striktes Satanismushorrordrama und neuerzählt CARRIE; schielt auf den Erfolg okkulter Kassenschlager. // HORRORS OF THE BLACK MUSEUM hatte ich bereits gesehen, was mir nach der ersten Szene wieder einkam. Geht so. Nette Ideen.// THE CIRCUS OF DR. LAO ist wider Erwarten stilistisch seltsam. Kaffbewohnerparodie plus ironische(?) Rassismen plus Wanderzirkus.

#spuktober-Filmsichtungen für THE INTERVIEW unterbrochen weil WAXWORKS und BRIDE OF FRANKENSTEIN unterwältigend waren, letzterer sehr. // WAXWORKS hat die zeitgenössischste Prämisse: Clickbait-Schreibertum.

Peter Straubs GHOST STORY ist ein Vorgänger/Ebenbürt zu Stephen King’s IT und JERUSALEMs LOT: alle klassischen Horrorgestalten in the Mix. // NOT OF THIS EARTH ist klassischer Scifihorror, I BURY THE LIVING eher eine Schauergeschichte. Beide haben inszenatorisch 0% Fett. // THE MAN WHO LAUGHS hielt ich die erste Stunde durch, danach bekommt das altbacken Irrungwirrungeske zuviel Gewicht. Der Anfang ist stark.

Soviel dazu. Ich konnte mich auch nicht zusammenreißen und sah als finale Filmreihe des Oktobers die ersten drei MADMAXen sowie (zum x-ten Mal und auch zum Vergleich) das erste Drittel von MAD MAX: FURY ROAD.

Actionkracher-Filmvormittag: MAD MAX von 1979, der superschön durchdesignte Beinahe-Endzeitfilm. Jedes Frame ist vollgepackt mit Kram. // Das Casting ist annähernd perfekt, wobei Max und Frau leider zu normal ausschauen im Vergleich zu den Nebenrollen. So viele ‚Fressen‘. <3 // Zuerst schaute ich MAD MAX leider in der US-Synchronfassung anstatt im australischen Original. Musste also nochmal von vorn beginnen.

Inzwischen habe ich MAD MAX 2 THE ROAD WARRIOR und MAD MAX 3 BEYOND THUNDERDOME geschaut, um zu sehen wo die rechtsliberale Reise hingeht. // MAD MAX 2 ähnelt dabei am ehesten seinen Italoendzeit-Nachmachern, weil die Ölfestung und Kostüme vergleichsweise zusammengeschustert sind. // Check[t] unbedingt auch das ultraviolente Animeripoff FIST OF THE NORTH STAR aus!

BEYOND THUNDERDOME ist wunderschön, wobei das Finale wiederum unterwältigend ist im Vergleich mit der ersten Verfolgungsjagd in FURY ROAD. // Ich liebe das Casting und Set/Design für Bartertown sowie die Sprache und Mythologie des Kinderstammes. Treibsandszene und der Zug eher mau.

Man könnte sich selbst noch nach FURY ROAD darüber streiten, ob die MADMAX-Filmreihe eher linkes oder rechtes Kino ist. Aber es kommt meines Erachtens wie bei den meisten Werken auf die Lesart an. Für mich ist es wie geschrieben eine spätestkapitalistische Alptraumwelt, auf die wir eigentlich nicht zusteuern sollten.

Der logische Abschluss demnach für den 2017er Spuktober: Mad Max streunt durch eine Brachlandschaft, bevölkert von den Geistern unserer Zivilisation.

Captain Walker would have won!

Spuktober’16: Das Finale (Seance On A Wet Afternoon, Let’s Scare Jessica To Death, The Crazies)

Nun also der abschließende Spuktober’16-Blogbeitrag, auf den letzten Drücker abgeliefert zu Novemberbeginn. Er beschäftigt sich mit einem für wohl jeden Film wichtigen Thema: mit der Erzählperspektive.

Die Protagonisten der

„Seance On A Wet Afternoon“ (Bryan Forbes, 1964)

sind hier gleichzeitig unsere Bezugspersonen. Zu keinem Zeitpunkt wissen wir mehr als das kinderlose Ehepaar Savage. (Mit Ausnahme einiger sekundenlangen Einstellungen während der Lösegeldübergabe, als man uns die undercover agierenden Beamten zeigt.)

Und die Savages sind, apropos Lösegeld, die Schurken: sie halten nicht nur betrügerische Seancen ab, sondern entführen ein Mädchen und erpressen die Eltern, hegen eigennützige Absichten. Sie haben Skrupel, aber setzen ihren einmal gefassten Plan so gut es eben geht in die Tat um.

Sicherlich nicht nur mein Stellvertreter im Film ist der von Richard Attenborough gespielte Bill Savage, der nach kurzem Zögern alle geplanten Schritte unternimmt. Hier spielt „Seance On A Wet Afternoon“ das Publikum gegen sich selbst aus: Erziehung und Moral gegen den Thrill eines spannenden Filmerlebnisses. Wo Bill nur zögert, würden wir es uns vermutlich anders überlegen.

(Inwiefern sich jemand in seine Frau hineinversetzen kann, hängt wohl von persönlichen Erlebnissen bzw. Traumata ab. Mir war sie als Filmfigur verständlich, aber würde ich ihre Manie „in echt“ unterstützen, so wie es der co-abhängige Bill tat? Hoffentlich nicht.)

Übrigens ist „Seance On A Wet Afternoon“ kein Horror- oder auch nur Gruselfilm trotzdem der Titel dies vermuten lässt und dieser Film von Stephen King empfohlen wurde.

Es ist ein klassischer Thriller in schönen Schwarzweißbildern und mit hervorragenden Darstellern. Er zeigt, teils spannungsgeladen-quälend minutiös, aus Tätersicht den Verlauf eines Entführungsfalles.

„Let’s Scare Jessica To Death“ (John Hancock, 1971)

wiederum mischt mindestens zwei Erzählperspektiven.

Zum einen ist da die der offenbar schizophrenen Jessica: wir hören ihre innere/n Stimme/n und vertrauen darum ihrer Außenwahrnehmung nie völlig – obwohl sich die Echtheit stets zu bestätigen scheint.

(Spoiler: Mag sein, dass dieser Film ein Vorbild für „Salem’s Lot“ ist, denn er biegt in eine Richtung ab, die ich zwar ahnte aber zuerst nicht glaubte.)

Jessica weiß um ihre Verfassung und kann (anfangs noch) dagegen ankämpfen. Sie war in einer Einrichtung und nun versucht sie, abseits der großen Städte ein neues Leben zu beginnen mit ihrem Mann und einem Bekannten. Als sie im frisch erstandenen Haus nahe einer Kleinstadt eine weitere Aussteigerin antreffen, beginnt ihr fragiler Weltentwurf zu bröckeln.

Um unsere Erwartungshaltung zu unterlaufen, dass Jessica wirklich nur Stimmen hört und ’sich Dinge einbildet‘, lässt der Regisseur nicht nur sie zu Wort und Bild kommen, sondern rundet die Story durch sozusagen allwissende Szenen ab, die sich in Jessicas Abwesenheit abspielen.

Mit dem Ergebnis, dass wir allmählich der unzuverlässigen Erzählerin/Protagonistin mehr vertrauen als ihrem Umfeld. Sie mag Stimmen hören und sich Dinge einbilden, ja, aber die Realität übertrifft ihre Schizophrenie.

Der Katastrophenfilm

„The Crazies“ (George A. Romero, 1973)

zu guter Letzt macht uns zu Katastrophenfilm-typischen allwissenden Beobachtern.

Oder doch zumindest versetzt er uns in die Lage, uns ungefähr ein Bild der gesamten Situation machen zu können: ein neuartiger Virus ist ins Grundwassersystem gelangt und es könnte sein, dass schon bald eine Kleinstadt samt aller Einwohnenden mittels Atomschlag ausgebrannt werden müssen.

Wir dürfen mit etlichen Parteien mitfiebern, am ehesten mit dem leitenden Armeemenschen sowie einer Gruppe aus der Quarantäne ausgebrochenen Anwohnern. Es gilt jedoch abzuwägen, ob wir wirklich mit den Flüchtigen mitfiebern sollten, denn die tragen ja das Virus in sich.

In Romeros Satire(?) besteht die Armee aus überlasteten, verärgert herumkommandierenden Befehlshabern und leichenfleddernden Fußtruppen in Schutzanzügen. Frustrierte, mit Material und Informationen unterversorgte Forscher fehlen ebensowenig. Alle müssen sich plötzlich flink bewegen und spüren ihre Befehlsketten.

Die Bevölkerung wiederum ist entweder vom Virus irre geworden – und benimmt sich eigentlich nicht viel anders, als man das von ihr kennt. Oder aber sie leistet in kleinen Grüppchen Widerstand, denn niemand vertraut einem Militär, dessen gesichtslos-gasmaskierte Fußtruppen Flüchtige niederschießen und Leichen fleddern.

Im Quarantänelager geht offensichtlich ebenfalls vor allem aufgrund der Militärpräsenz wild zu. Hier wüten keine Ragevirus-verseuchten Quasizombies wie in unkomplexeren Filmen ähnlicher Bauart, jede_r Erkrankte ist auf seine Weise verrückt.

Der Film endet mit einem Nurbeinahe-Happyend, einem near-miss. Das ist der Romero-Touch. (Er und John Russo schrieben etliche Varianten dieses leider allzumenschlichen Endzeitszenarios; alle sind sie zu empfehlen, z.B. „Return Of The Living Dead“.)

„The Crazies“, das sind sie alle. Wem gilt unsere Sympathie, in welchem Lager finden wir uns wieder?

Spuktober’16: Besessenheiten (WILLARD, A FIELD IN ENGLAND, POSSESSION)

Wieder drei Ausflüge an die Außengrenzen des Horrorgenres. So etwa ist

„Willard“ (Daniel Mann, 1971)

eben kein jamesherbert’scher Ekeltrip wie man es erwartet beim Lesen kurzer Plotsynopsen. Er ist ein Familiendrama mit Filmnoir-Lichtführung und reichlich dressierten Ratten.

Wäre „Willard“ eine wahre Geschichte, könnte sie genausogut eine „Dollop“-Episode sein, denn alle Elemente sind vorhanden:

Der einzelgängerische junge Mann namens Willard Stiles hat eine allzubesorgte, depressiv-narzisstische Mutter (»27 years ago tonight you were born in pain and suffering«), einen quälend-überfordernden Bürojob unter der Fuchtel des Ex-Geschäftspartners seines verstorbenen Vaters, und eine sanierungsbedürftige Stadtvilla mit Ratten im Garten.

Wird es ein Happy-end geben? Nein, natürlich nicht, für niemanden. Aber „Willard“ ist trotz Bleakness ein schöner, intelligenter, interessanter Film.

Komplett in die falsche Richtung gerieben hat mich hingegen

„A Field In England“ (Ben Wheatley, 2013)

und ich brach die Sichtung dieses zwar nicht langweiligen, so doch aber viel zu behäbig und bedeutungsschwer inszenierten Historienstreifens ab, bevor die eigentliche Trippigkeit begann. Die spulte ich dann zwar durch, um zu sehen, was ich verpassen würde, aber ihr Anblick hat mich nicht zu einer Zweitsichtung verlockt.

Er erzählt von einer Gruppe aus Soldaten und Söldnern und einem Hofastrologen, die auf dem titelgebenden Feld in England mit sich und mit dem Teufel konfrontiert werden – ein Kammerspiel unter freiem Himmel.

Vergleichbar ist „A Field In England“ wohl am ehesten mit „Valhalla Rising“, Winding-Refn’s „Aguirre“-Variation. Jedoch haben Letztere eben nicht das Look&Feel pointenarmer Sketche irgendeiner BBC-Comedyserie der frühen Nullerjahre.

Auch verschwendet „A Field In England“ die bildgestalterischen Möglichkeiten des Schwarzweißfilms. Alles ist Grau – wohl durch nachträgliches Abdrehen der Farbsättigung erreicht. Das mag irgendwie Teil des Konzeptes sein, aber ist verdammt langweilig anzuschauen.

Weder Figurenkonstellation noch Problemstellung interessieren mich und ich empfand, wie oben erwähnt, alles als missglückte Sketchcomedy oder als überambitionierten Studentenfilm. Kurzum: „A Field In England“ ward vorgespult und quergeschaut.

(Übrigens schlägt Ben Wheatley’s „High-Rise“-Umsetzung zwar dramaturgisch in die selbe Kerbe, aber ist dabei farbenfroh und hat spürbar mehr Budget und Setdesign; er trifft meinen Nerv bereits durch die Thematik besser.)

„Possession“ (Andrzej Żuławski, 1981)

ist eine sehrsehrfeine Parodie auf Eifersuchtsdramen, auch und vor allem weil sich hier alle Handelnden extrem überzogen benehmen inklusive des Kameramenschen. Zu keinem Zeitpunkt weiß man wirklich, was als Nächstes kommt, Bewegungen und Dialogstil wirken als hätten Außerirdische ihre Vorstellung menschlichen Verhaltens verfilmt.

Eine Berlintour zu den Locations böte sich an, leider fehlt inzwischen der symbolisch notwendige echte Todesstreifen. Wesensverwandter Film ist meiner Meinung nach Fassbinder’s im positivsten Sinne übertriebener „Satansbraten“.

Spuktober’16: All die verdammten Vampire (THE NIGHT STALKER, A RETURN TO SALEMS LOT)

Kein Horrorfilm-Marathon ohne Vampire. Es ist geradezu schockierend, wie wenige Vampirfilme es heuer auf meine Horrorfilmliste geschafft haben, nun ja…

In den beiden hier besprochenen Filmen geht es auch tatsächlich um die klassischen Vampire. Es sind keine pseudocoolen Mythos-Reboots in Lederoptik und mit Zeitlupen-Gefechten auf den Dächern des Biotechnologie-Großkonzerns von Dr. Acula.

Die Bedrohung in der von Richard Matheson geschriebenen Mischung aus Thriller und Horrorfilm

„The Night Stalker“ (John Llewelyn Moxey, 1972)

ist ein echter blutsaugender Karpatenfürst. Das ist dem Fotoreporter Carl Kolchak ziemlich zeitig klar und Kolchak vertritt diese Auffassung lautstark: Ein Vampir wie im Schauerroman ermordet in Las Vegas junge Frauen!

Alle lachen (und vertuschen gleichzeitig den Vampir-Aspekt der Morde). Kolchak macht sich unbeliebt bei den führenden Köpfen der Stadt und bleibt als gebrochener Mann zurück. Diese ungedankte Ehrlichkeit mag durchaus den Zeitgeist der frühen Siebzigerjahre widerspiegeln. Damit »die Bevölkerung nicht in Panik gerät« wird ein guter Mann kaputtgespielt.

Auch liefert „The Night Stalker“ einen für Horrorfilme klassischen nächtlichen Alleingang des Protagonisten durch die vermüllte Behausung des Mörders. Diese Sequenz, dieses Setpiece, ist eines der effektivsten des gesamten Films – wenn man akzeptiert, dass Kolchak alsbald Blutkonserven im Kühlschrank findet und sich (genrekonform) dennoch weiter umschaut.

Wie gesagt: Die Bausteine sind vorhanden, leider ist die Handlung zu wenig glaubwürdig und stets musste ich meine Frustration auf das recht ambitionslose Drehbuch stets bremsen. Der Story fehlt die Reichweite, dem Film das Geld. Wieso reist der Vampir nicht aus Las Vegas ab nach seiner Entdeckung, wieso ist Kolchak der einzige Nachforschende, wieso ist er Fotoreporter und kein regulärer?

(Die letzte Frage stellt sich vor allem angesichts von Kolchaks unterwältigendem Fotoequipment. Weegee hatte wenigstens noch einen ganzen Kofferraum voller Zubehör, Kolchak knippst herum.)

Und wenn schon Verschwörung, dann richtig! Alle hätten mit drinhängen sollen meiner vorschnellen Meinung nach. Vielleicht hätte sich Las Vegas als von Vampiren gegründet entpuppen sollen, mit dem serienmordenden Vampir als Gefahr für die Vampircommunity. „The Night Stalker“ hätte so viel mehr sein können.

Rückblickend weiß ich, dass ich auf zeitgenössische Actionhorror-Erzählstrukturen hereingefallen bin; auf die der „Blade“-Fortsetzungen mit ihren Familienbanden, Irrungen und Wirrungen, Grabenkämpfen und Plot-twists.

Es ist wohl auch viel realistischer, dass ‚die da oben‘ tatsächlich bloß alles dafür tun, damit »die Bevölkerung nicht in Panik gerät«. Ohne Hintergedanken. Ohne, dass der Täter ein Verwandter ist. Maximal noch auf die Zufriedenheit ihrer Wähler schielend, klar.

„A Return To Salem’s Lot“ (Larry Cohen, 1987)

bietet genau dieses Geflecht aus Familienbanden, Irrungen und Wirrungen, Grabenkämpfen und Plot-twists, ohne dabei den Vampirmythos allzusehr zu modifizieren. Die Vampire spiegeln sich und trinken hauptsächlich Kuhblut, ja, aber sie fürchten das Sonnenlicht und schlafen in Särgen. Und sie bevölkern eine Kleinstadt namens Jerusalem’s Lot, die tagsüber von ihren menschlichen Drohnen bewacht wird.

Eines der interessantesten ’neuen‘ Elemente in „A Return To Salem’s Lot“ ist für mich die Entscheidung, dass die Protagonisten zwei bis drei ziemlich unsympathische Menschen sind:

Ein Anthropologe (vorgestellt zu Filmbeginn als kaltherzig ein Menschenopfer dokumentierend), dann sein entfremdeter Sohn (rauchend, fluchend, große Fresse und als Teenager natürlich auch sonst unerträglich), und später hinzustoßend ein geheimnisvoller Fremder auf der Durchreise (zigarren- und szeneriekauend gespielt von Sam Fuller).

Es ist erfrischend, dass „A Return To Salem’s Lot“ die zB an „Cloverfield“ gestellte Frage, wer denn bitte in einer solchen Situation weiterfilmen würde anstatt davonzurennen, perfekt beantwortet mit der Entscheidung, dass die Hauptfigur ein herzlos scheinender Anthropologe ist.

Denn genau das ist auch der Gedankengang der Vampir-Community. Sie wünschen sich einen Stadtschreiber, einen Geschichtsschreiber, der ihnen sozusagen eine Bibel verfasst. Das Zeug dazu hat nicht jeder, er jedoch hat sich bereits einen Namen gemacht durch schonungslose Feldforschung.

Er ist aber, Pech für die Vampirkleinstädter, sogar zu abgebrüht, um deren Geschichtsbild nicht ebenfalls sofort als »bullshit, anti-human propaganda« zu durchschauen. Wie gut, dass rechtzeitig ein rüstiger Rentner in die Stadt kommt, als die Situation wirklich bedrohlich wird für Vater und Sohn.

Das Hauptmonster könnte besser umgesetzt sein, ansonsten gibt es nichts zu bemängeln. Und das finale Filmdrittel ist eines dieser finalen Filmdrittel, die man selbst gesehen haben muss, allein schon wegen Sam Fuller.