Archiv der Kategorie: Sachbuch (K-R)

book: non-fiction (k-r)

Mikul, Chris (1999) 
"Bizarrism"

Ein Nachteil, den es mit sich bringt, solche Bücher zu lesen, ist, dass man Smalltalkthemen aufschnappt, die sich eigentlich nur im Internet ohne Furcht vor Gesichtsverlust diskutieren lassen. Zum Beispiel das Familiendrama eines Freakshow-Hummermenschen. Wobei man eigentlich diese und andere Sammlungen seltsamer Fakten an sämtliche Verwandte verteilen sollte, die der Meinung sind, dass früher alles besser war und überhaupt.

Klosterman, Chuck (2004) 
"Sex, Drugs, and Cocoa Puffs"

Den Essay über die Lakers-Celtics-Rivalität habe ich größtenteils überflogen, weil mich das Thema nicht tangiert, aber die übrigen Beiträge (unter anderem über das ‚geleakte‘ Pam/Tommy-Video und die MTV-Show The Real World) sind amüsante und medienkritikreiche Kurztrips durch die Popkultur der zurückliegenden Jahrhundertwende. Vermutlich sollte ich dieses Buch von nun an jedes Jahrzehnt erneut lesen, um der guten alten Zeit zu gedenken, als Realitysoaps und Promi-Sextapes noch der heiße Scheiß waren.

Rudolf, Ake (2008) 
"Urban Guerrilla Protest"

Zwar schrieb ich letztens, dass mich buchgewordene Weblogs – bzw. Sachbücher, deren Inhalt diesen Eindruck macht – eher verwundern und nicht zum Kauf reizen, so muss ich durchaus ergänzen, dass die ‚Ver-Buchung‘ einiger zeitgenössischer Themen dringend notwendig ist.

Graffiti, Street-Art und ähnliche Guerrilla-Taktiken etwa sind würdige Themen. Und das nicht allein, weil die in Sammelbänden wie Ake Rudolfs "UGP" erläuterten Aktionen inspirierend sind, sondern bereits deshalb, weil gesprühte und geklebte Gesellschaftskritik oft illegal ist, und dementsprechend schnell überpinselt, abgerissen und entsorgt wird.

Eine Offline-Dokumentation solcher Aktionen tut also not, »damit die Nachwelt sieht, daß nicht alle so waren.«

Knorr, Wolfram (2000): 
"Monster, Mythen, Macht & Massen. Amerikanische Kultur: 200 Jahre Lust und Last"

Die einzige, aber dafür umso ärgerliche Schwachstelle an Knorrs unterhaltsamer Abrechnung mit den vermeintlich typisch deutschen Aktionismen gegen die Wellen aus Schmutz- und Schundliteratur, Rockmusik, Comics etc. ist, dass diese Aktionen eben nicht typisch deutsch sind, sondern das typische Verhalten mächtiger Konservativer, die ihre Untertanen vor den Nachteilen des Fortschritts schützen wollen und sich dadurch stets lächerlich machen, ohne dass sie aus dieser Langzeitwirkung lernen und es beim nächsten fragwürdigen Medium gleich unterlassen, Wolf zu rufen.

McKenna, Terence / Pieper, Werner (19??):
"Die süßeste Sucht. Ist Zucker eine Killer-Droge?"

Was ich vorher nur ahnte: Zucker ist ein Grundübel im Fundament unserer sogenannten Zivilisation. Denn er liefert außer kurzen Geschmacks-Kicks keinen Mehrwert, kostet im Austausch dafür jedoch bereits seit etlichen Jahrhunderten Lebensräume und Menschenleben, und hält die Menschen dumm, gebrechlich und abhängig.

Dieser Band der Grünen Reihe müsste eigentlich das meistverschenkte und -gelesene Werk hierzulande sein. Stattdessen liegen Süßigkeiten, Knabberkram und Billigspielzeug auf deutschen Gabentischen, Großeltern kaufen ihren Enkeln Wassereis, und Heft #163 ist out of print.