Leseratschläge (03.01.2008)

Nun ja, dank meiner Regale kann ich darauf verzichten, die noch zu lesenden Bücher stapelweise in der Wohnung zu verteilen. Aber Bücherstapel klingt besser.

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Ryunosuke Akutagawa 
"Rashomon – Ausgewählte Kurzprosa"

Diesen fetten Sammelband* habe ich erst knapp hundertfünfzig Seiten vor der eigentlichen letzten Prosazeile aufgegeben. Zwar bemerkte ich schon früh, wie wenig mich Akutagawas Charaktere interessieren, jedoch hegte ich lange die Hoffnung, dennoch Zugang zu den Texten dieses japanischen Autors zu finden. – Sie könnten Weltliteratur sein, aber mir hat der Doppelschlag aus Charakterskizzen und massivem name-dropping die Leselust ausgetrieben.

Ich hoffe, dass es mir mit der 720-seitigen Anthologie "Polnische Prosa des 20. Jahrhunderts" (Carl Hanser Verlag, 1969) nicht ebenso ergeht.

* Die Eckdaten: Erschienen ist die rund 570 Seiten starke Zusammenstellung 1975 im Verlag Volk und Welt in einer Übersetzung von Jürgen Berndt, der auch Nachwort und (viel zu wenige) Anmerkungen verfasste.

Jedenfalls habe ich auf diesen Schreck erst einmal wieder zu Werken gegriffen, deren Genrelastigkeit unverkennbar ist. Zum Beispiel zu pulpiger Science-Fantasy in Comicform, erstmals erschienen im Großbritannien der 1980er.

Pat Mills / Kevin O’Neill, Jesus Redondo, Bryan Talbot (2006)
"The Complete Nemesis the Warlock: Book 1"

Das Buch gelesen habe ich bereits, empfehle es hiermit ausdrücklich weiter und werde mir auch die Fortsetzung(en?) zulegen.

Den detailreichen Zeichnungen dieser Comicreihe hingegen habe ich bisher meine volle Aufmerksamkeit versagt. Die Bilder sind zu überladen, um sie beim ersten Durchgang hinreichend würdigen zu können.

(Hier bietet sich der Vergleich mit den Gemälden von Hieronymus Bosch und Pieter Brueghel d. Ä. an. Jedes dieser Werke ist ‘zuviel auf einmal’.)

Henry Kuttner (1946) 
"Lord der Dunklen Welt" / "The Dark World"

Zwei Seelen wohnen in Edward Bonds Brust. Oder gehört diese Brust doch Ganelon, dem gefürchteten Zirkelmagier? Eine Geschichte um Identität und Rache, die in einer von übermenschlichen Wesen beherrschten Parallelwelt spielt und ärgerlicherweise ohne Fantasy-Klischees nicht auskommt; so z.B. gibt es eine verführerische Vampirhexe(?) und waldbewohnende, grüngekleidete Freiheitskämpfer.

Laut Hugh Walker, der das Vorwort schrieb, weist "The Dark World" stilistische Ähnlichkeiten mit den Geschichten A. Merritts auf. Den ich nicht kenne, aber mir nun ebenfalls vormerke. Kuttners Geschichte ist keineswegs schlecht. Ich nehme jedoch an, dass sein Vorbild zumindest gleichwertige Erzählungen zu Papier brachte.

Zach Hughes (1974) 
"Die rote Flut" / "Tide"

Hughes schildert zuerst einen biotechnologischen Super-GAU und danach, wie die Menschheit mit der neuen Bedrohung umgeht. Keine Ahnung, ob der Roman opti- oder pessimistisch ist; zumindest ist lesenswert. Vor allem, weil Hughes’ Geschichte eher gemächlich daherkommt und nicht als überdrehter Wissenschafts-/Horrorthriller.

Kate Wilhelm (1967) 
"Das Killer-Ding" / "The Killer Thing"

Auf die Robotergesetze kann sich der vom Killerding gejagte Raumfahrer nicht berufen, denn die selbstlernende Maschine ist auf Rache an den Unterdrückern von der Erde programmiert.

Ron Goulart (1975) 
"Die Machtpyramide" / "The Hellhound Project"

Worum ging es in diesem Roman noch gleich? Ach ja: Um einen Mann, der in die mächtigste Familie der Vereinigten Staaten eingeschleust wird, indem er so tut, als sei er ihr aus dem Kälteschlaf erwachter Vorfahre. Und um den Waffenprototyp Hellhound.

Gibt es Ron Goularts Gesamtwerk bereits in Sammelband-Form? Weil: Der ist einer dieser Autoren, die sich scheinbar mühelos die abgedrehtesten Dystopien ausdenken.

Übrigens ist auch Fritz Leiber einer ‘dieser Autoren’. Beweisstücke hierfür: "Das grüne Millenium" / "The Green Millenium" und "Ein Gespenst sucht Texas heim" / "A Spectre is Haunting Texas".

Zum Ausgleich für die eben aufgezählten SF-Perlen war ausgerechnet das einzige Horrorbüchlein auf dem Stapel eine Enttäuschung. Vor allem, weil es neben dem Nemesis-Sammelband das einzige Werk war, für das ich den Neupreis bezahlt hatte.

Michael A. Arnzen (2004)
"100 Jolts – shockingly short stories"

Von den für diesen Sammelband ausgewählten Blitzfiktionen fand ich nur wenige besser als mittelmäßig. Wahrscheinlich, weil ich gegenüber erdachter Ultraviolence inzwischen ziemlich abgehärtet bin, während mich SF und Fantasy leichter zu überraschen vermögen.

Vorwort und Interview hingegen haben mein Interesse an dieser Literaturgattung geweckt. Wie konnte ich denn ahnen, dass es für den Stil meiner lächerlichen Kurzprosa-Versuche einen coolen Gattungsbegriff gibt: flash fiction. Yeah, das klingt gleich viel besser als urbane Legende oder Splatter-Schwank.

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Wieder was geschafft. Aber der nächste Stapel kippelt bereits. Obenauf liegt die von Kirby McCauley zusammengestellte Anthologie "Dark Forces – New Stories of Suspense and Supernatural Horror" von 1981.

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