7 Dez 2005, 1:48pm
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Stichwort "Zensur"

Aus zur Zeit mal wieder (und immer wieder mal) aktuellem Anlass: Was heißt und was bewirkt eigentlich Zensur?

    Zensur ist die mit Machtmitteln versehene Kontrolle menschlicher Äußerungen. Sie führt bei Bedarf zu rechtsförmigen und außerrechtlichen Sanktionen.

    Beispielsweise zur Behinderung, Verfälschung oder Unterdrückung von Äußerungen vor oder nach ihrer Publizierung.

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    Durch die Bedrohung der beruflichen/bürgerlichen Existenzen zielt Zensur auf die Internalisierung von Herrschaftsansprüchen.

    Selbstzensur ist das Resultat erfolgreicher Zensur.

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    Zensurmaßnahmen sollen die öffentliche Meinung vor Äußerungen schützen, welche die bestehende Ordnung gefährden könnten: die Herrschafts-, Autoritäts- und vor allem Eigentumsverhältnisse.

    Dabei wird die Unmündigkeit und das Schutzbedürfnis bestimmter gesellschaftlicher Gruppen gegenüber solchen Äußerungen unterstellt.

    Von dieser Vorstellung ausgehend, zielt Zensur auf die Entmündigung der Mehrheit der Bevölkerung.

    Zensurmaßnahmen sollen die öffentliche Erörterung von Konflikten einschränken, um Autoritäts- und Layalitätsverluste einzudämmen und rückgängig zu machen.

    Angriffe auf sexualmoralische, religiöse und politische Normen werden staatlicherseits nur abgewehrt, wenn diese Normen herrschaftskonformes Verhalten konservieren.

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    Garant der strukturellen, auf dem Eigentum an Produktionsmitteln beruhenden Zensur ist die staatliche Zensur.

    Sie konzentriert sich auf öffentliche Institutionen, um so mehr, als diese massenhaft wirken.

    Sie zielt auf die Funktionsfähigkeit der Institutionen als Staatsapparate, als ideologische (Sendeanstalten, Büchereien, Schulen) wie als repressive (Milität, Polizei).

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    Zensurmaßnahmen kulminieren in Zeiten politischer Legitimationskrisen und gesellschaftlicher Veränderungen.

    Sie werden dann in Form kurzfristiger Kampagnen z. B. gegen Kommunismus, Sexualität oder vermeintliches Terror-Sympathisantentum durchgesetzt und später wenn möglich kodifiziert.

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    Erst in solchen Krisen werden verschiedenartige, potentiell zensierende Institutionen aktiv und gruppieren sich zu einem Zensur-Verbund.

    Zensur ist ein Mittel sozialer Kontrolle zur Aufrechterhaltung bestehender Produktionsverhältnisse.

    Zensur ist mehr als nur das Verbot zu denken und sich zu äußern. Sie ist produktiv im Sinne der Macht, weil sie Denken und Äußerungen verändert.

    Sie stellt den Versuch dar, Staats- und Eigentumsschutz in den Bereich von Meinung und Gesinnung vorzuverlegen.

    Zensur läuft stets Gefahr, die Legitimationskrise, die sie bewältigen will, zu verstärken.

    Sie verliert an Boden, wenn sie auf eine Gegenöffentlichkeit trifft, die verhindert, dass die durchs Thematisieren von Zensureingriffen freigesetzten Ängste sich bei den Betroffenen paralysierend auswirken.

(aus Kienzle/Mende: "Zensur in der BRD", S. 231.)

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