Lutes, Jason (2001|2008)
"Berlin – Steinerne Stadt | Bleierne Stadt" ("Berlin – City of Stone | City of Smoke")
Eine (noch nicht abgeschlossene) Grafiknovelle über den Zerfall der Weimarer Republik; also sozusagen eine illustrierte Ausgabe des Bernt Engelmann’schen Anti-Geschichtsbuches "Einig gegen Recht und Freiheit". Wenn man von den gesellschaftlichen Zuständen damals liest, will man fast nicht glauben, dass sich dies alles vor weniger als hundert Jahren in diesem Land abgespielt hat.
Kubin, Alfred (1909)
"Die andere Seite"
Eine Geschichte, die als realistisch-positive Utopie beginnt, alsbald jedoch in dystopische Gefilde hinweg hin ins Reich der Alpträume abgleitet. Vergleichbar ist Kubins Roman (besonders in den finalen Kapiteln) mit Junji Itos Mangaserie "Uzumaki".
Chesbro, George C. (1985)
"Projekt Walhalla" ("The Beasts of Valhalla")
Entweder unterschätze ich Tolkiens "Herr der Ringe", oder aber es ist tatsächlich so, dass die auf ihm basierenden Romane (z.B. die Covenant-Trilogie von Stephen R. Donaldson) grundsätzlich besser geschrieben sind. Wie dem auch sei: Chesbro hat den LOTR zu einem zeitgenössischen Ringmythos umgeschmiedet. Deshalb funktioniert "Projekt Walhalla" zum einen auf der Ebene einer Akte-X-würdigen Ermittlung, und zum anderen als Fantasyliteratur-Remix; wer Tolkiens Werk kennt, kann hier in Anspielungen baden.
Beer, Otto F. (1978)
"Ich, Rodolfo, Magier"
Die bislang einzigen Memoiren eines mir unbekannten Entertainers und Lebemannes, die mir rundum zusagen, sind erfunden: Beer verrührte Übersinnliches mit den deutschen Zuständen um den Zweiten Weltkrieg, streute Faktoide und verpackte diese Mischung in eine spannende Pseudo-Autobiografie.
Klosterman, Chuck (2004)
"Sex, Drugs, and Cocoa Puffs"
Den Essay über die Lakers-Celtics-Rivalität habe ich größtenteils überflogen, weil mich das Thema nicht tangiert, aber die übrigen Beiträge (unter anderem über das ‘geleakte’ Pam/Tommy-Video und die MTV-Show The Real World) sind amüsante und medienkritikreiche Kurztrips durch die Popkultur der zurückliegenden Jahrhundertwende. Vermutlich sollte ich dieses Buch von nun an jedes Jahrzehnt erneut lesen, um der guten alten Zeit zu gedenken, als Realitysoaps und Promi-Sextapes noch der heiße Scheiß waren.
Strömberg, Fredrik (2010)
"Comic Art Propaganda"
Die wichtigste Erkenntnis dieses allumfassenden Überblicks ist nicht etwa, dass Propaganda in Comicform auch heutzutage noch gedruckt und verteilt wird – so zum Beispiel die Chick-Tracts –, sondern ist der Hinweis auf die Beschränkungen dieses Mediums: Nicht erst mit tendenziöser Befüllung von Sprechblasen beginnt die Verführung der Unschuldigen, sondern die SchöpferInnen wohl der meisten Comics versuchen, ihr Publikum bereits durch die Charakterdesigns und die Wahl der Bildinhalte in die ‘richtige’ Richtung zu weisen.