"Sunburst" | "Slashed Dreams"
James Polakof (1975)
Glücklicherweise ist "Sunburst" auf den letzten Metern nicht zu jenem Vergeltungsquark geronnen, zu dem er ebenfalls hätte werden können. Stattdessen ist die dem von Hinterwäldlern überwältigten Pärchen präsentierte Lösung ein quasireligiös umschriebenes »Wenn das Leben dir Zitronen schenkt, mach’ Limonade!«, was in diesem Einzelfall durchaus Sinn ergibt. (via Internet Archive)
"Kikis kleiner Lieferservice"
"Majo no Takkyūbin"
Hayao Miyazaki (1989)
"Kikis kleiner Lieferservice" ist ein japanischer Zeichentrickfilm, der, basierend auf einer absurden Grundvoraussetzung, bis zum Abspann eine vor wunderschönen Kulissen stattfindende westlich-wertkonservative Liebesromanhandlung herunterspult.
Kiki ist nämlich eine Hexe, die einzig dank ihrer Fähigkeit, mit einem Besen herumzufliegen, als Hexe bezeichnet wird, und "Kikis kleiner Lieferservice" ist ein auf Mädchen zugeschnittenes Halbmärchen im Stile der "Twilight"-Serie (mit ihren bis zur Nutzlosigkeit uminterpretierten Vampiren und Werwölfen).
Etwas Gutes hat der Film allerdings zu bieten: Das Setdesign ist dermaßen wohnlich, dass es durchaus dazu taugt, Stadtplanern mit der Bitte vorgeführt zu werden, realexistierende Städte allmählich dieser Vorlage anzunähern.
Kikis Groschenromanwelt kommt nämlich jener ‘guten alten Zeit’ ziemlich nahe, von der alle Gegenwartsmüden gerne reden. Und das nicht nur des gewachsenen Stadtbildes wegen, sondern auch des lockeren Umgangs mit (z.B.) Sicherheitsbestimmungen. Oder wo sonst ist es noch üblich, dass Jugendliche mit Rostlauben durch die Stadt fahren oder sogar eigene Flugzeuge bauen? Eben.
"Irréversible"
Gaspar Noé (2002)
Ich muss verflucht schlecht drauf gewesen sein am Tag der "Irréversible"-Sichtung, denn mein Interesse an diesem sogenannten Meisterwerk sank bereits innerhalb der ersten Viertelstunde auf unter Null – also in den Bereich der Verrisslaune. Deshalb sprang ich gleich hinüber zum en.Wikipedia-Artikel, wo ich die anstehende Filmhandlung las, "Wozu wurde diese Story verfilmt?" dachte, den Mediaplayer wegklickte und meinen Rechner die DVD wieder ausspucken ließ.
Denn "Irréversible" ist ein filmlanger "Taxi Driver"-Showdown, dessen Zeitlinien-Gimmick samt Handlungsverlauf an "Memento" erinnert(!) und bei dem das Kamerakind wohl das Böse aus "Evil Dead" war. Die Vorstellung, wie die prätentiöse Kameraführung wohl am Set ausgesehen hat, lässt mich noch immer grinsen.
Ach ja: Hätte Noé seine Rückwärtserzählung konsequent angewendet, ginge "Irréversible" mit einer Nahaufnahme des Protagonisten los, der wegen einer Affekthandlung freigesprochen wird.
"Galaxy Invader, The"
Don Dohler (1985)
Mit jeder Minute gewinnt "Galaxy Invader" – halb (unfreiwillige?) Hommage an die Sciencefiction-Dutzendware der Fünfzigerjahre, halb Hinterwäldler-Familiendrama – im Rahmen seiner Möglichkeiten an Fahrt, ohne dass Handlung oder Showdown jedoch viel mit der wegen des Titels erwartbaren Prämisse zu tun hätten. Und spätestens, wenn die Abspanncredits rollen, ist sogar die Synthie-Musikuntermalung ertragbar.
(via Internet Archive)
"Exkursion zum Mond"
"Excursion dans la lune"
Segundo de Chomón (1908)
Fast hätte ich geschrieben, dass dieser Stummfilm die spanische Variation von George Méliès bereits 1902 gefilmter "Reise zum Mond" sei, doch Chomón hat seine frühe Sciencefantasy ebenfalls in Frankreich abgedreht, insofern ist’s wohl ‘nur’ eine Neuverfilmung. Und zwar eine, die sehr gut aufzeigt, was ein schlechtes Remake ausmacht: Die "Exkursion zum Mond" hat mehr Effekte (colorierte Kleidung!), einen ‘lustigen’ Kofferträger und ist hektisch bis zur Unübersichtlichkeit – es gibt bunte Staubexplosionen, Menschen zappeln herum und Mondshowgirls tanzen. Doch diese Neuerungen geben weder der Story noch den handelnden Figuren Tiefe; dramaturgisch ist das Remake sogar eher noch ein Rückschritt.
(via Internet Archive)
"Transformers – Die Rache"
"Transformers: Revenge of the Fallen"
Michael Bay (2009)
Die wichtigste Zutat dieses absurd langen Actionkrachers ist die Zerstörung menschengemachter Objekte aller Größen und Formen, die vorher allein schon durch die Wahl der Kamerapositionen zu Fetischen erhoben werden. Doch bereits unser aller Alltag ist eine Mischung aus Lebenslauf und Produktpalette, insofern kann das kein echter Kritikpunkt sein. (Mit dieser Entschuldigung lässt sich übrigens ebenfalls prima der Militainment-Anteil relativieren.)
Jedes Mal aufs neue beeindruckend finde ich hingegen die Leichtigkeit, mit der Michael Bay alle Storyselemente ineinanderinszeniert hat; man braucht nämlich verdammt viel (pop-)kulturelles (Halb-)Wissen, um die Handlung verstehen zu können: Anspielungen auf geheime Regierungsoperationen, den War on Terror und 9/11-Infokrieger sind nur wenige von vielen.
Gerade deshalb stieß mir auf, dass Megan Fox einem hundegroßen Decepticon-Unterling ein Auge ausbrennt, um ihn gefügig zu machen, ohne dafür vom Karma/Autorenteam bestraft zu werden. (In der ersten Drehbuchfassung hat sie den kleinen Mecha vermutlich zum Wohle der Menschheit waterboarded; Populärkultur als Spiegel ihrer Entstehungszeit oder so.)
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Die Autoren haben es ebenfalls nicht versäumt, für so ziemlich jedeN potentielleN KinogängerIn eine entsprechende Bezugsperson hineinzuschreiben. Dieses Mal ist es sogar storyentscheidend, dass die Menschen mitkämpfen, anstatt in Deckung zu gehen und die Autobots machen zu lassen. Der Größen- und Machtunterschied zwischen Bots und Menschen sorgt zwar noch immer für Unglaubwürdigkeiten (sprich: die bösen Mechas halten sich zurück), aber im ersten "Transformers"-Film habe ich mich wirklich ständig darüber geärgert, dass da wohlmeinend hineingeschriebene Identifikationsfigürchen herumschreien, obwohl die Autobots human agieren und ich auch ohne human-interest-Storyline mit ihnen mitfiebern würde.
Human interest ist auch der Grund für jene unrealistische Tatsache, dass haushohe Alien-Kampfroboter, auch wenn es blitzschnell gehen muss, mit englischen Worten und in normaler Sprechgeschwindigkeit kommunizieren; unhörbare Datenpakete senden sie nur, sobald große Datenmengen (Lagepläne, Geheimdokumente, usw.) anfallen. Dieses Verhalten ist zwar notwendig, um das menschliche Publikum nicht im Unklaren zu lassen, minimiert jedoch gleichzeitig die Anzahl der möglichen Handlungen innerhalb der Filmlaufzeit.
Eine schreckliche Vorstellung, dass die Bots jedes Bit sämtlicher Terrabytes laut aussprechen müssten, um sie einander zu übermitteln.
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Sicherlich würde Bay weitaus weniger CGI einsetzen, wären die präsentierten Transformationen und Roboterkämpfe außerhalb einer Dreamworks-Rechnerfarm realisierbar.* Denn CGI-Software eben ist meines Erachtens fast im Wortsinne ein allmächtiger Gott aus der Maschine, dessen digital generierter Augensüßkram jedoch längst nicht so beeindruckend ist wie beispielsweise die ‘in echt gedrehte’ Verfolgungsjagd zwischen Mofa, Truck und Motorcycle im rund zwanzig Jahre älteren "Terminator 2" – das Publikum honoriert überragende Animationskunst und Rechenleistung nicht im selben Maße wie die Handarbeit von Stuntmen und klassischen Effektemachern.
(*Ein Indiz für die Richtigkeit meiner Vermutung ist die Tatsache, dass dieser und andere Effektfeuerwerke nicht gleich als Anime bzw. vollständig computergenerierte Filme umgesetzt werden, und dass während der Dreharbeiten reichlich geschossen und gesprengt wird.)
Die Alternativtheorie: Computergenerierte Bildelemente sind nicht per se unbeeindruckend, sondern werden es erst dadurch, dass ihre Produzenten nach Problemen mit Geld schmeißen können und zighundert Animatoren und 3D-GrafikerEtten anzustellen in der Lage sind. Oder anders: Wäre "Transformers: Revenge of the Fallen" von einem Team aus siebzehn CGI-HobbyistInnen über Jahre hinweg in jeder freien Sekunde geschaffen worden, wäre er weitaus beeindruckender.
Ich bin gespannt, ob und wann sich meine Einstellung zu dieser Art der Actionszenenproduktion ändert und ab wann ich nicht mehr über die erforderliche Rechenleistung und das nahtlose Zusammenspiel aus Greenscreen-Material und Computeranimation staune, statt in der Filmhandlung zu versinken oder mit den Charakteren zu leiden und zu hoffen.