Sind zeitgenössische Fotografiesachbücher irrelevant?

Für mich jedenfalls sind sie es inzwischen. Vielen Dank an den mitp-Verlag, der so freundlich war, meinem Bloggerkollegen vier brandneue Probeexemplare zuzusenden, deren Durchsicht meine Vermutung zur Gewissheit werden ließ.

– – –

Michael Gelfert (2009): Fashion-Fotografie
Da ich alles lieber fotografiere als in Pose geworfene Menschen in teuren Kleidern, beschränkt sich die Nützlichkeit dieses Buchs für mich (bislang noch?) in den Tipps zur stimmigen Lichtsetzung, sowie der Erkenntnis, dass nicht jedes Model in jeder Haltung gut aussieht.

Wer hingegen eigene Fashionshootings realisieren will, wird mit Sicherheit mehr als nur dieses Buch benötigen. Oder aber sowieso keines mehr. Denn die Sichtweise des Autors ist die eines Fotografen, der dem eigenen Geschmack vertraut, und bereits weiß, was er von Team und Models fordern kann. Schminktipps, oder Ratschläge zum Locationscouting, dem Einholen von Genehmigungen und dem Erkennen von eigenen und fremden Fehlern behandelt Gelfert beispielsweise nicht.

Chris George (2. Aufl., 2009): Digitale Fotografie. Vom Einsteiger zum Profi
(The Book of Digital Photography)

und

Gerhart Zimmert / Beate Stipanits (2009): Digitale Naturfotografie. Tiere, Pflanzen, Strukturen, Landschaften

Schöne und umfassende Sachbücher, die für alle Menschen empfehlenswert sind, die sich beim Erlernen der Grundlagen des digitalen Fotografierens nicht auf Wikipedia-Artikel, Fotoweblogs und alte Sachbücher verlassen möchten oder können.

Jim Krause (2009): index foto-idee places. Ideen und Inspiration für kreative und eindrucksvolle Bilder
(Photo Idea Index: Places: Ideas and Inspiration for Creating Professional-Quality Images Using Standard Digital Equipment)

Mein erster Gedanke beim Durchblättern war, dass Jim Krause seinen Flickr-Account in Buchform hat sicherheitskopieren lassen. Und mein zweiter Gedanke war nicht viel besser und bezog sich auf das Preis-Leistungs-Verhältnis. Für knapp dreißig Euro kann ich nämlich reichlich Filme leihen, um mich von ihren Standbildern inspirieren zu lassen.

– – –

Lustig übrigens, dass die beiden wichtigsten Argumente gegen unzeitgemäße Trägermedien deren Haptik (umblättern und Notizen) und Gemütlichkeit (auf dem Sofa lesen) sind. Argumente, die jedes Netbook entkräftet. Viele Sachbücher taugen eben nur noch für Gegenden ohne Strom und Internet.

Womit ich nicht geschrieben haben will, dass Bücher per se nutzlos sind. Nur halte ich es für unlogisch, Geld für gedruckte Werke auszugeben, wenn ich an vergleichbare (und noch dazu suchmaschinell aufbereitete) Inhalte nur den Bruchteil eines Buchpreises bezahle.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.