Spuktober ’16: spontane Selbstzweifel (Spontaneous Combustion, Tourist Trap, leider nicht Shakma)

Spuktober 2016 – bald endend und noch sind acht Filme ungesehen und unbesprochen. Es wird eng. Prokrastination und andere ‚persönliche Gründe‘ haben dem Projekt kostbare Herbsttage geraubt.

(Beispielsweise galt es, Adam Curtis‘ Videoessay „HyperNormalisation“ sowie Redlettermedia-Filmbesprechungen zu schauen, Podcasts wegzuhören, zu zeichnen und zu fotografieren usw. – Ganz abgesehen von familiärem Kram und überhaupt. Not to brag, but meine beiden Kinder hatten Herbstferien.)

Die Sinnfrage stellt sich bei solch einem Hobbyprojekt sowieso, sobald das anfangs ganz lustig gedachte Vorhaben zur Herausforderung gerät. Nichts muss, alles könnte. Schau lieber was Besseres! Geh wandern!

Inhaltlich ist der Spuktober ein Härtetest meiner schreiberischen Begabung: Habe ich das Zeug dazu, filmkritische Aussagen bei relativ gleichbleibenden persönlichen Vorlieben immer und immer wieder zu variieren?

Mir fällt es schwer, Werke sozusagen „für sich stehend“ zu betrachten. Sie werden abgeklopft auf Dagewesenes und Stimmigkeit. Genrefilmkritik ist auch oft genug Therapiesitzung; Reise in die Vergangenheit und Konfrontation mit eigenen Ängsten und Erlebnissen.

Genauso hängt für mich filmgeschichtlich alles zusammen: Regisseure zitieren einander und casten Schauspieler aufgrund deren Filmografie. Genauso bedingen Genrekonventionen den Handlungsverlauf beziehungsweise sie lassen Elemente verzeihen, die in anderem Kontext absurd wären.

Ob ein Film als Genrebeitrag erfolgreich ist, basiert auf seiner Fähigkeit, mich durch erschreckende Elemente zu triggern oder zumindest von unglaubwürdigen Situationen zu überzeugen. Originalität ja, aber nicht völlig auf Kosten der Logik.

Wenn ich mir also einen Streifen wie

Spontaneous Combustion (Tobe Hooper, 1990)

anschaue, so komme ich nicht umhin, dieses Filmerlebnis höhnisch zusammenzufassen mit der Bemerkung „Spontaneous Combustion“ sei Tobe Hooper’s shitty „Scanners“. Gleichzeitig mag ich Hooper’s Film über Spontane Selbstentzündung dann doch wieder sehr.

Denn „Spontaneous Combustion“ hat seine Qualitäten. Allen voran die harten praktischen Effekte und den Mut, den Körper der Hauptfigur zu zerstören. Dies ist eine der vielen Parallelen zu Cronenbergs Filmen, und abseits der Glaubwürdigkeit der dahinterstehenden ‚Wissenschaft‘ wirklich konsequent umgesetzt.

Mag sein, dass ich in naher Zukunft mal mich daran mache, Cronenberg-Filme am Stück in der richtigen Reihenfolge anzuschauen (und zu besprechen?), aber für dieses Mal muss die Kurzfassung reichen.

Es gibt hier zweifelhafte Forscher und üble Verschwörungen und einen biotechnologisch-qualvollen Schöpfungsmythos, inszeniert als Mischung aus Passionsspiel und Theaterstück. Tobe Hooper hat aus den erzählerischen Versatzstücken des großen Kanadiers eine leidlich perfekte Hommage zusammengebracht.

Dass die Elemente eben doch keinen echten Cronenbergfilm ergeben liegt an Tobe Hooper’s dramaturgisch fragwürdigen Entscheidungen. So zum Beispiel, einen gefühlt ellenlangen Prolog vor die eigentliche Handlung zu kleben anstatt es bei den (ebenso übermäßig vorhandenen) Rückblenden zu belassen.

Die Hauptcharaktere hören die selbe ‚übernatürlich angehauchte‘ Radiosendung, was für mich unglaubwürdiger ist als Feuer unter Wasser. Insgesamt ist der Film für mich dramaturgisch im schlechten Sinne ‚zu dichtgepackt‘: zu viele handlungsrelevante Zufälle in zu kurzer Zeit, anstatt wie in „Scanners“ wenige Grundideen bis zur letzten Konsequenz durchzuspielen.

Worum geht es in „Spontaneous Combustion“ überhaupt? Um ein geheimes Regierungsprogramm: Strahlenschutz durch medizinische Präparate. Die so strahlensicher gemachten Eltern der Hauptfigur bekamen einen Sohn (Brad Dourif) mit Erbgutschädigung; mit der Fähigkeit zur einigermaßen kontrolliert einsetzbaren Selbstentzündung. Der Film schildert seine Suche nach Antworten.

Viel mehr geben meine Notizen nicht her außer „wow wtf?“ und „Wow was?!“ und „Huh?“ und „SHC“. Diesen Genrebeitrag zu welchem Genre auch immer (Scifi-Bodyhorror am ehesten) muss man wohl selbst erleben.

„Spontaneous Combustion“ wird anderen Menschen sowieso weitaus weniger zusagen als mir, aber wie oben bereits angedeutet: medizintechnisch induzierter Bodyhorror trifft mich auf persönlicher Ebene aufgrund meiner Krankengeschichte.

(Herz-OP im Kleinkindalter, vieleviele Krankenhausbesuche und -aufenthalte, obskure Arzneimittel die man mal lieber einnimmt und nicht viel fragt, ‚berufs-nette‘ Erwachsene, usw.)

Auf einer anderen, einer weniger persönlichen Ebene funktioniert

Tourist Trap (David Schmoeller, 1979)

als klassischer Slasherfilm mit anfangs verwirrend, aber rückblickend doch plausibel-genug eingesetztem übernatürlichem Element.

Es ist die uralte Geschichte von der Handvoll junger Menschen, die abseits der Hauptstraße Autopannen haben; sie stranden nahe einer sog. Touristenfalle voller Schaufensterpuppen und Wachsfiguren und werden im Laufe der Erzählung vom maskierten Irren voneinander getrennt und nacheinander umgebracht.

„Tourist Trap“ ist Welten besser als man es für möglich hält. Die Bedrohung wirkt anfangs so affig, dass man sich aufs Filmische konzentrieren kann und dadurch immer mehr tolle Ideen und abgedrehte Visuals entdeckt. Der Filmabend vergeht ereignisreich und rückblickend ergibt sogar die Handlung einigermaßen alptraumhaften Sinn.

Das sind, um den naheliegende Vergleich zu bemühen, die besten Touristenfallen: man betritt sie halb-ironisch und erwartet nichts außer leicht verstaubter Piefigkeit und Peinlichkeit, aber hat wider Erwarten freudestrahlend eine schöne Zeit. Auch denkt man einige Male kurz schockiert „Oh wie krass!“, weil man etwas nicht kommen sah trotz der vermeintlichen Abgebrühtheit.

Das als weitere Antwortmöglichkeit auf die verwirrte Frage, wozu ich mir denn überhaupt solchen Kram antue.

In diesem Sinne: der ursprünglich ebenfalls für Spuktober eingeplante Mörderaffen-Film

Shakma (Tom Logan / Hugh Parks, 1990)

entfällt leider bis auf Weiteres, denn die (via Youtube, naja) vorliegende Version war qualitativ einfach mal viel zu niedrig. „Shakma“ ist, nach dem bereits Zu-sehen-versuchten zu urteilen, eine Mischung aus „Link“ und „Death Machine“. Jedoch mit genau dem richtigen Grad an inszenatorischer Schusseligkeit, um beeindruckte Schadenfreude zu bereiten. Er bleibt also auf der „Musst du gesehen haben!“-Liste.