Spuktober ’16: Elternfrei-Doublefeature (The Gate, Clownhouse)

Bei jedem Horrorfilm-Marathon stellt sich die Frage nach der Ausgewogenheit und der Themenwahl. Es gibt zigdutzend Horror-Subgenres oder nur drei, je nach Fragestellung:

Wer bedroht die Hauptfiguren? (Vampire, Werwölfe, Dämonen, entsprungene Irre, Clowns, …)

Was wird bedroht? (die Gesellschaft, das Leben, das Selbstbild)

Und es gibt Mischformen all dieser Bedrohungsszenarien, man denke nur an Stephen King’s „Es“.

Thematische Schwerpunkte gibt es erst recht wie Sand am Meer; je nach Augenmerk auf Cast und Crew, wiederkehrende Elemente (zB Handlungsorte) und so weiter bis hin zum Entstehungsjahr.

Locker könnte ich also den heurigen Spuktober ausschließlich mit Filmen bestreiten, in denen Pubertierenden ein vorzeitiges Ableben droht. Bereits in diesem enggesteckten Rahmen haben sich in der Filmgeschichte etliche Werke angesammelt, die genretypisch den Horroraspekt und den Kampf ums Überleben betonen.

(Im Unterschied zu Filmen, in denen Jugendliche an Krebs dahinscheiden, oder zu Kinder-Kostümfilmen mit Gothic-Horror-Einschlag wie „Der geheime Garten“, oder zu Dramen über Kindesmissbrauch.)

Der Hang zur Ausgewogenheit und Themenvielfalt hat mich jedoch nicht davon abgehalten, einen roten Faden durch den Spuktober’16 zu ziehen, deshalb auch gleich mehrere Horrorfilme thematisch gebündelt hintereinander zu packen und zu besprechen.

Zum Beispiel als ‚Elternfrei-Doublefeature‘ aus „The Gate“ und „Clownhouse“. (Alternativ ist’s das Doublefeature namens ‚blutige Kinderhand groß im Bild‘ bzw. ‚Filme, die mit Alpträumen beginnen und in denen Lagerfeuergeschichten erzählt werden‘.)

The Gate (Tibor Takács, 1987)

… ist Fantasyhorror und an übernatürlichen Elementen stark; erinnert insgesamt an eine kindgerechte(re) „Evil Dead 2“-Variation und hat teilweise herausragendgute Spezialeffekte.

Das titelgebende Tor zur Unterwelt öffnet sich am elternfreien Wochenende einiger Heranwachsender und Dämonen befallen das Grundstück. Sie wollen sich erst die Kinder holen und dann die Welt. Doch die Kinder sind keine leichte Beute, denn sie nutzen Fachwissen aus dem Booklet eines Heavymetal-Albums.

Wirklich viel mehr zu sagen habe ich jedoch über den Film nicht, als dass er solide Handwerkskunst ist.

Bis auf: das Drehbuch stellt im ersten Filmdrittel absurd viele Elemente ‚zufällig‘ in den Raum, um damit später gegen die Dämonen angehen zu können. Das würde mehr Freude bringen, wenn es nicht so offensichtlich ein Dramaturgiekniff wäre oder sogar ein Zeichen dafür, dass die Story quasi rückwärts geschrieben wurde.

Clownhouse (Victor Salva, 1989)

… hingegen liefert das andere Extrem: wirklich *alles* in „Clownhouse“ hat mit Clowns zu tun und das ist gleichermaßen überspitzt und künstlich. Aber es gefällt mir weitaus besser, denn Salva’s Spiel mit gezinkten Karten ist sofort erkennbar und bleibt konsequent.

(Für mich fällt Salva übrigens in die selbe Regiearbeiter-Kategorie wie M. Night Shyamalan: Suspense trifft auf Schlock, bevorzugt-visuelles Storytelling auf Holzhammersymbolik. „Jeepers Creepers“ samt Fortsetzung sind Lieblingsfilme.)

Die in „Clownhouse“ vermittelte Chemie der drei Brüder ist gleichauf bedrückend und realistisch, genau wie es die kindische Mischung aus Angstlust und Schreckhaftigkeit ist: die Jungs erzählen sich Schauergeschichten und schauen Horrorfilme, aber wollen nicht spätabends alleine raus.

„But… what about those clowns?!“ – Nun, die Clowns sind drei entsprungene Irre, die mordend ausbrechen, nachdem ihnen denen das Ausgeh-Privileg entzogen wurde, den Zirkus zu besuchen. Sie brechen also aus, und wie der Zufall so spielt schlüpfen sie in die Kostüme der echten Clowns und beschleichen in mörderischer Absicht die elternfreihabenden Brüder.

Bis es zum Suspense-lastigen, filmisch perfekt umgesetzten Showdown kommt zwischen den jeweils Dreien, füllt Salva den Film mit Dialogen voller Flüche und Triggerthemen (Clowns!), aber auch mit Minderjährigen in Unterwäsche.

Der eigentliche Plot-twist von „Clownhouse“ ist so auch außerhalb des eigentlichen Filmes zu suchen. Denn nicht die Clowns oder die als Clowns verkleideten Irren waren ‚out to get‘ den Hauptdarsteller dieses Films, sondern der Regisseur.