Spuktober’16: All die verdammten Vampire (THE NIGHT STALKER, A RETURN TO SALEMS LOT)

Kein Horrorfilm-Marathon ohne Vampire. Es ist geradezu schockierend, wie wenige Vampirfilme es heuer auf meine Horrorfilmliste geschafft haben, nun ja…

In den beiden hier besprochenen Filmen geht es auch tatsächlich um die klassischen Vampire. Es sind keine pseudocoolen Mythos-Reboots in Lederoptik und mit Zeitlupen-Gefechten auf den Dächern des Biotechnologie-Großkonzerns von Dr. Acula.

Die Bedrohung in der von Richard Matheson geschriebenen Mischung aus Thriller und Horrorfilm

„The Night Stalker“ (John Llewelyn Moxey, 1972)

ist ein echter blutsaugender Karpatenfürst. Das ist dem Fotoreporter Carl Kolchak ziemlich zeitig klar und Kolchak vertritt diese Auffassung lautstark: Ein Vampir wie im Schauerroman ermordet in Las Vegas junge Frauen!

Alle lachen (und vertuschen gleichzeitig den Vampir-Aspekt der Morde). Kolchak macht sich unbeliebt bei den führenden Köpfen der Stadt und bleibt als gebrochener Mann zurück. Diese ungedankte Ehrlichkeit mag durchaus den Zeitgeist der frühen Siebzigerjahre widerspiegeln. Damit »die Bevölkerung nicht in Panik gerät« wird ein guter Mann kaputtgespielt.

Auch liefert „The Night Stalker“ einen für Horrorfilme klassischen nächtlichen Alleingang des Protagonisten durch die vermüllte Behausung des Mörders. Diese Sequenz, dieses Setpiece, ist eines der effektivsten des gesamten Films – wenn man akzeptiert, dass Kolchak alsbald Blutkonserven im Kühlschrank findet und sich (genrekonform) dennoch weiter umschaut.

Wie gesagt: Die Bausteine sind vorhanden, leider ist die Handlung zu wenig glaubwürdig und stets musste ich meine Frustration auf das recht ambitionslose Drehbuch stets bremsen. Der Story fehlt die Reichweite, dem Film das Geld. Wieso reist der Vampir nicht aus Las Vegas ab nach seiner Entdeckung, wieso ist Kolchak der einzige Nachforschende, wieso ist er Fotoreporter und kein regulärer?

(Die letzte Frage stellt sich vor allem angesichts von Kolchaks unterwältigendem Fotoequipment. Weegee hatte wenigstens noch einen ganzen Kofferraum voller Zubehör, Kolchak knippst herum.)

Und wenn schon Verschwörung, dann richtig! Alle hätten mit drinhängen sollen meiner vorschnellen Meinung nach. Vielleicht hätte sich Las Vegas als von Vampiren gegründet entpuppen sollen, mit dem serienmordenden Vampir als Gefahr für die Vampircommunity. „The Night Stalker“ hätte so viel mehr sein können.

Rückblickend weiß ich, dass ich auf zeitgenössische Actionhorror-Erzählstrukturen hereingefallen bin; auf die der „Blade“-Fortsetzungen mit ihren Familienbanden, Irrungen und Wirrungen, Grabenkämpfen und Plot-twists.

Es ist wohl auch viel realistischer, dass ‚die da oben‘ tatsächlich bloß alles dafür tun, damit »die Bevölkerung nicht in Panik gerät«. Ohne Hintergedanken. Ohne, dass der Täter ein Verwandter ist. Maximal noch auf die Zufriedenheit ihrer Wähler schielend, klar.

„A Return To Salem’s Lot“ (Larry Cohen, 1987)

bietet genau dieses Geflecht aus Familienbanden, Irrungen und Wirrungen, Grabenkämpfen und Plot-twists, ohne dabei den Vampirmythos allzusehr zu modifizieren. Die Vampire spiegeln sich und trinken hauptsächlich Kuhblut, ja, aber sie fürchten das Sonnenlicht und schlafen in Särgen. Und sie bevölkern eine Kleinstadt namens Jerusalem’s Lot, die tagsüber von ihren menschlichen Drohnen bewacht wird.

Eines der interessantesten ’neuen‘ Elemente in „A Return To Salem’s Lot“ ist für mich die Entscheidung, dass die Protagonisten zwei bis drei ziemlich unsympathische Menschen sind:

Ein Anthropologe (vorgestellt zu Filmbeginn als kaltherzig ein Menschenopfer dokumentierend), dann sein entfremdeter Sohn (rauchend, fluchend, große Fresse und als Teenager natürlich auch sonst unerträglich), und später hinzustoßend ein geheimnisvoller Fremder auf der Durchreise (zigarren- und szeneriekauend gespielt von Sam Fuller).

Es ist erfrischend, dass „A Return To Salem’s Lot“ die zB an „Cloverfield“ gestellte Frage, wer denn bitte in einer solchen Situation weiterfilmen würde anstatt davonzurennen, perfekt beantwortet mit der Entscheidung, dass die Hauptfigur ein herzlos scheinender Anthropologe ist.

Denn genau das ist auch der Gedankengang der Vampir-Community. Sie wünschen sich einen Stadtschreiber, einen Geschichtsschreiber, der ihnen sozusagen eine Bibel verfasst. Das Zeug dazu hat nicht jeder, er jedoch hat sich bereits einen Namen gemacht durch schonungslose Feldforschung.

Er ist aber, Pech für die Vampirkleinstädter, sogar zu abgebrüht, um deren Geschichtsbild nicht ebenfalls sofort als »bullshit, anti-human propaganda« zu durchschauen. Wie gut, dass rechtzeitig ein rüstiger Rentner in die Stadt kommt, als die Situation wirklich bedrohlich wird für Vater und Sohn.

Das Hauptmonster könnte besser umgesetzt sein, ansonsten gibt es nichts zu bemängeln. Und das finale Filmdrittel ist eines dieser finalen Filmdrittel, die man selbst gesehen haben muss, allein schon wegen Sam Fuller.