Spuktober’16: Besessenheiten (WILLARD, A FIELD IN ENGLAND, POSSESSION)

Wieder drei Ausflüge an die Außengrenzen des Horrorgenres. So etwa ist

„Willard“ (Daniel Mann, 1971)

eben kein jamesherbert’scher Ekeltrip wie man es erwartet beim Lesen kurzer Plotsynopsen. Er ist ein Familiendrama mit Filmnoir-Lichtführung und reichlich dressierten Ratten.

Wäre „Willard“ eine wahre Geschichte, könnte sie genausogut eine „Dollop“-Episode sein, denn alle Elemente sind vorhanden:

Der einzelgängerische junge Mann namens Willard Stiles hat eine allzubesorgte, depressiv-narzisstische Mutter (»27 years ago tonight you were born in pain and suffering«), einen quälend-überfordernden Bürojob unter der Fuchtel des Ex-Geschäftspartners seines verstorbenen Vaters, und eine sanierungsbedürftige Stadtvilla mit Ratten im Garten.

Wird es ein Happy-end geben? Nein, natürlich nicht, für niemanden. Aber „Willard“ ist trotz Bleakness ein schöner, intelligenter, interessanter Film.

Komplett in die falsche Richtung gerieben hat mich hingegen

„A Field In England“ (Ben Wheatley, 2013)

und ich brach die Sichtung dieses zwar nicht langweiligen, so doch aber viel zu behäbig und bedeutungsschwer inszenierten Historienstreifens ab, bevor die eigentliche Trippigkeit begann. Die spulte ich dann zwar durch, um zu sehen, was ich verpassen würde, aber ihr Anblick hat mich nicht zu einer Zweitsichtung verlockt.

Er erzählt von einer Gruppe aus Soldaten und Söldnern und einem Hofastrologen, die auf dem titelgebenden Feld in England mit sich und mit dem Teufel konfrontiert werden – ein Kammerspiel unter freiem Himmel.

Vergleichbar ist „A Field In England“ wohl am ehesten mit „Valhalla Rising“, Winding-Refn’s „Aguirre“-Variation. Jedoch haben Letztere eben nicht das Look&Feel pointenarmer Sketche irgendeiner BBC-Comedyserie der frühen Nullerjahre.

Auch verschwendet „A Field In England“ die bildgestalterischen Möglichkeiten des Schwarzweißfilms. Alles ist Grau – wohl durch nachträgliches Abdrehen der Farbsättigung erreicht. Das mag irgendwie Teil des Konzeptes sein, aber ist verdammt langweilig anzuschauen.

Weder Figurenkonstellation noch Problemstellung interessieren mich und ich empfand, wie oben erwähnt, alles als missglückte Sketchcomedy oder als überambitionierten Studentenfilm. Kurzum: „A Field In England“ ward vorgespult und quergeschaut.

(Übrigens schlägt Ben Wheatley’s „High-Rise“-Umsetzung zwar dramaturgisch in die selbe Kerbe, aber ist dabei farbenfroh und hat spürbar mehr Budget und Setdesign; er trifft meinen Nerv bereits durch die Thematik besser.)

„Possession“ (Andrzej Żuławski, 1981)

ist eine sehrsehrfeine Parodie auf Eifersuchtsdramen, auch und vor allem weil sich hier alle Handelnden extrem überzogen benehmen inklusive des Kameramenschen. Zu keinem Zeitpunkt weiß man wirklich, was als Nächstes kommt, Bewegungen und Dialogstil wirken als hätten Außerirdische ihre Vorstellung menschlichen Verhaltens verfilmt.

Eine Berlintour zu den Locations böte sich an, leider fehlt inzwischen der symbolisch notwendige echte Todesstreifen. Wesensverwandter Film ist meiner Meinung nach Fassbinder’s im positivsten Sinne übertriebener „Satansbraten“.