"Transformers – Die Rache"
"Transformers: Revenge of the Fallen"
Michael Bay (2009)
Die wichtigste Zutat dieses absurd langen Actionkrachers ist die Zerstörung menschengemachter Objekte aller Größen und Formen, die vorher allein schon durch die Wahl der Kamerapositionen zu Fetischen erhoben werden. Doch bereits unser aller Alltag ist eine Mischung aus Lebenslauf und Produktpalette, insofern kann das kein echter Kritikpunkt sein. (Mit dieser Entschuldigung lässt sich übrigens ebenfalls prima der Militainment-Anteil relativieren.)
Jedes Mal aufs neue beeindruckend finde ich hingegen die Leichtigkeit, mit der Michael Bay alle Storyselemente ineinanderinszeniert hat; man braucht nämlich verdammt viel (pop-)kulturelles (Halb-)Wissen, um die Handlung verstehen zu können: Anspielungen auf geheime Regierungsoperationen, den War on Terror und 9/11-Infokrieger sind nur wenige von vielen.
Gerade deshalb stieß mir auf, dass Megan Fox einem hundegroßen Decepticon-Unterling ein Auge ausbrennt, um ihn gefügig zu machen, ohne dafür vom Karma/Autorenteam bestraft zu werden. (In der ersten Drehbuchfassung hat sie den kleinen Mecha vermutlich zum Wohle der Menschheit waterboarded; Populärkultur als Spiegel ihrer Entstehungszeit oder so.)
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Die Autoren haben es ebenfalls nicht versäumt, für so ziemlich jedeN potentielleN KinogängerIn eine entsprechende Bezugsperson hineinzuschreiben. Dieses Mal ist es sogar storyentscheidend, dass die Menschen mitkämpfen, anstatt in Deckung zu gehen und die Autobots machen zu lassen. Der Größen- und Machtunterschied zwischen Bots und Menschen sorgt zwar noch immer für Unglaubwürdigkeiten (sprich: die bösen Mechas halten sich zurück), aber im ersten "Transformers"-Film habe ich mich wirklich ständig darüber geärgert, dass da wohlmeinend hineingeschriebene Identifikationsfigürchen herumschreien, obwohl die Autobots human agieren und ich auch ohne human-interest-Storyline mit ihnen mitfiebern würde.
Human interest ist auch der Grund für jene unrealistische Tatsache, dass haushohe Alien-Kampfroboter, auch wenn es blitzschnell gehen muss, mit englischen Worten und in normaler Sprechgeschwindigkeit kommunizieren; unhörbare Datenpakete senden sie nur, sobald große Datenmengen (Lagepläne, Geheimdokumente, usw.) anfallen. Dieses Verhalten ist zwar notwendig, um das menschliche Publikum nicht im Unklaren zu lassen, minimiert jedoch gleichzeitig die Anzahl der möglichen Handlungen innerhalb der Filmlaufzeit.
Eine schreckliche Vorstellung, dass die Bots jedes Bit sämtlicher Terrabytes laut aussprechen müssten, um sie einander zu übermitteln.
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Sicherlich würde Bay weitaus weniger CGI einsetzen, wären die präsentierten Transformationen und Roboterkämpfe außerhalb einer Dreamworks-Rechnerfarm realisierbar.* Denn CGI-Software eben ist meines Erachtens fast im Wortsinne ein allmächtiger Gott aus der Maschine, dessen digital generierter Augensüßkram jedoch längst nicht so beeindruckend ist wie beispielsweise die ‘in echt gedrehte’ Verfolgungsjagd zwischen Mofa, Truck und Motorcycle im rund zwanzig Jahre älteren "Terminator 2" – das Publikum honoriert überragende Animationskunst und Rechenleistung nicht im selben Maße wie die Handarbeit von Stuntmen und klassischen Effektemachern.
(*Ein Indiz für die Richtigkeit meiner Vermutung ist die Tatsache, dass dieser und andere Effektfeuerwerke nicht gleich als Anime bzw. vollständig computergenerierte Filme umgesetzt werden, und dass während der Dreharbeiten reichlich geschossen und gesprengt wird.)
Die Alternativtheorie: Computergenerierte Bildelemente sind nicht per se unbeeindruckend, sondern werden es erst dadurch, dass ihre Produzenten nach Problemen mit Geld schmeißen können und zighundert Animatoren und 3D-GrafikerEtten anzustellen in der Lage sind. Oder anders: Wäre "Transformers: Revenge of the Fallen" von einem Team aus siebzehn CGI-HobbyistInnen über Jahre hinweg in jeder freien Sekunde geschaffen worden, wäre er weitaus beeindruckender.
Ich bin gespannt, ob und wann sich meine Einstellung zu dieser Art der Actionszenenproduktion ändert und ab wann ich nicht mehr über die erforderliche Rechenleistung und das nahtlose Zusammenspiel aus Greenscreen-Material und Computeranimation staune, statt in der Filmhandlung zu versinken oder mit den Charakteren zu leiden und zu hoffen.