26 Nov 2005, 4:24pm
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Joachim von Gottberg schreibt:
Medienpädagogik wird immer wichtiger

Zitiert nach: Joachim von Gottberg, Möglichkeiten und Grenzen der Institutionen des Jugendschutzes.

    Ob wir es wollen oder nicht: Es wird mit zunehmender Globalisierung immer weniger möglich sein, nationale Jugendschutzbestimmungen durchzusetzen.

    Der Staat steht nun vor einer schwierigen Frage: Soll er strenge Jugendschutzbestimmungen aufrechterhalten oder sogar ausbauen, um zum einen wenigstens die Bereiche zu regeln, die national regelbar sind, und zum anderen die Wirtschaft und den Jugendlichen gegenüber seine ethischen Grenzen zu markieren?

    Oder soll er auf internationale Vereinbahrungen setzen, auch wenn dabei die hohen deutschen Standards fallen werden?

    Oder soll abgewartet werden, bis der Gewöhnungsprozess durch Angebote aus dem Ausland so weit fortgeschritten ist, dass dann auch nationale Angebote nicht mehr als problematisch angesehen werden?

    Eines scheint sicher: Der Markt wird sich dort ansiedeln, wo er mit den geringsten Problemen für die von ihm angebotenen Inhalte zu rechnen hat.

    Wenn wir also in Deutschland bestimmte Inhalte völlig blockieren, wird der Markt in Länder ausweichen, die über keine entsprechende Regulierung verfügen.

    In keinem Fall werden wir jedoch verhindern können, dass jugendbeeinträchtigende Angebote in absehbarer Zukunft zunehmen werden.

    -

    Wenn wir also die Anbieter nicht mehr kontrollieren können, bleibt uns nur die Aufgabe, die Fähigkeit jugendlicher Zuschauer zu verbessern, mit den Inhalten selbstbestimmt und kritisch umgehen zu können.

    Wir müssen den Bereich der Erziehung in Schule, außerschulischer Jugendbildung und im Elternhaus stärken.

    Institutionen, die sich für Medienpädagogik engagieren, müssen ideell und finanziell von der Gesellschaft stärker als bisher unterstützt werden.

    Es gibt gute Konzepte, aber wir sind noch weit davon entfernt, dass diese flächendeckend durchgesetzt werden.

    Es macht keinen Sinn, weiterhin Gesetzte und Beschränkungen zu kreieren, wenn wir genau wissen, dass sie letztlich nicht durchgesetzt werden können.

    Wenn wir die Notwendigkeit der Medienpädagogik nicht bald erkennen und die entsprechenden Konsequenzen ziehen, überlassen wir letztlich das Feld allein den Medien.

Quelle: Susanne Bergmann (2000), Mediale Gewalt. Eine reale Bedrohung für Kinder? (S. 149 f.)

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