28 Nov 2005, 4:47pm
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Wandlung des Literaturgeschmacks? Pah!

Eben auf oliblog entdeckt habe ich einen Link zum Artikel Overkill der Phantasie von Georg M. Oswald.

Oswald meint darin unter anderem:

    Aber läßt man den "visionären" Anteil von Houellebecqs Geschichte [Die Möglichkeit einer Insel] außer Acht, bleibt nicht mehr als eine einzige, haßerfüllte Philippika gegen das unausweichliche Altern, und die damit verbundenen sexuellen Nachteile. Als Science Fiction taugt der Roman nichts, aber er hat Science Fiction nötig, um seine gar zu schlichte Botschaft ein wenig aufregender zu gestalten, als sie es ist.

Was für eine alberne Aussage.

Lässt man den Westernanteil von diesem oder das Drogenmilieu von jenem Buch weg, bleiben ebenfalls stets nur die Probleme der handelnden Figuren und die Meinung des Autors von der Menschheit übrig.

Wer Romane und Geschichten nur auf eine ‘phantasielose’ Art verfassen will… Niemand hält ihn auf. Aber jeder Autor darf und soll seinen eigenen Weg gehen.

Und außerdem:

Welcher Literaturgeschmack hat sich denn überhaupt gewandelt? Und wohin? Zum Guten oder Schlechten?

Schließlich verfügen viele über Generationen hinweg gern gelesene Klassiker der Weltliteratur über Sci-Fi- Horror- oder Fantasy-Elemente!

Ohne die strafende Action Gottes und die unbewiesene Wiederaufersteheng Jesu wäre die Bibel sicherlich längst vergessen.

Ich gestehe: Bisher habe ich Houellebecqs Roman noch nicht gelesen.

Doch dafür Der bemalte Vogel (Splatterpunk), Herr der Fliegen (Horror), 1984, Fahrenheit 451 und Krieg der Welten (Science Fiction).

Und natürlich Gullivers Reisen, Faust, den Zauberlehrling (Fantasy) und zahllose Märchen und Sagen (Horror und Fantasy).

Der Erfolg dieser Werke liegt ja gerade NICHT darin, den Leser mit gar schröcklichen Alltäglichkeiten einzulullen. Sondern darin, griffige Botschaften und Denkanstöße zu bieten, ohne, dass die Erzählung selbst altmodisch wirkt.

Phantasie ist also (nicht immer) ein Zeichen von Schwäche, sondern im Idealfall ein Garant für langanhaltenden Erfolg des Werkes bei der Leserschaft.

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