Zwei Bücher über’s Kleingeld verdienen
Friebe, Holm / Lobo, Sascha (2006)
"Wir nennen es Arbeit"
… würde ich nicht jedermann/-frau zu lesen geben. Es ist nicht oma-kompatibel, wie man so schön sagt. Zuviele Zitate fallen, zuviel moderner Kram wird erwähnt. "WneA" ist nichts für jene Zielgruppe, der man seinen Lifestyle – nämlich den eines digitalen Bohèmien (bzw. eines vernetzten Prekarianers) – mit Hilfe eines Sachbuches näherbringen will.
Morisse, Jörn / Engler, Rasmus (2007)
"Wovon lebst du eigentlich?"
… wiederum ist im Gegensatz zu seinem inoffiziellen ersten Band sogar gefährlich. Falls ihr Verwandten und Bekannten dieses Buch zu lesen gebt, würden ihnen die gesammelten Interviews mit Kunstschaffenden endgültig beweisen, dass es für euch besser wäre, richtige Arbeit zu verrichten, statt Musik zu machen, zu schreiben, zu fotografieren etcetera.
–
Fazit: Schenkt euren Eltern niemals ein Buch über euren alternativen Lebensstil. Abgesehen natürlich von dem, das ihr selbst geschrieben habt und dank dem ihr in öffentlich-rechtliche Polit-Talkshows eingeladen werdet.
…
Nachtrag vom 20.01.2008:
Einen halbstündigen Überblick über Ideen und Gefahren der sogenannte Digitalen Bohème gibt eine Radiosendung, die ich über freie-radios.net fand:
"die digitale boheme: alternative zum unbefriedigenden brotjob? oder avantgarde einer völligen ökonomisierung aller lebensbereiche?"
»Es ist ein altes emanzipatorische Projekt. Keine Frage. Der Traum vom selbstbestimmten Leben. Doch funktioniert dieser, wenn auf einen Arbeitsvertrag verzichtet wird, wenn gleichzeitig alle Lebensbereiche ökonomisiert werden? Fragen, die sich die digitale Boheme im folgenden Feature stellen muss.« (Link)